HSH Nordbank : Alle jagen Dr. No

Dirk Jens Nonnenmacher, Chef der HSH Nordbank, verliert die Unterstützung der Landesregierungen in Kiel und Hamburg.

Dr. Nonnenmacher
Dr. NonnenmacherFoto: dpa

Hamburg - Der umstrittene Chef der HSH Nordbank, Dirk Jens Nonnenmacher, droht das Vertrauen der Bank-Hauptaktionäre Hamburg und Schleswig-Holstein zu verlieren. Die in Hamburg gemeinsam mit der CDU regierenden Grünen signalisierten, bei einem Verbleib Nonnenmachers im Amt die Koalition platzen zu lassen. „Alles andere als eine Entlassung von Nonnenmacher werden wir jetzt am Dienstag im Senat nicht akzeptieren“, sagte Grünen-Fraktionschef Jens Kerstan dem „ Spiegel“.

Ähnlich äußerte sich der schleswig-holsteinische FDP-Fraktionschef Wolfgang Kubicki, dessen Partei in Kiel mit der CDU regiert. „Wir werden seinen Rauswurf in der nächsten Woche in Angriff nehmen“, sagte Kubicki dem Magazin. Rückendeckung bekam er am Samstag vom Landesparteitag der schleswig-holsteinischen FDP, der Nonnenmachers fristlose Entlassung forderte. Ein entsprechender Antrag wurde mit 93 Prozent der Stimmen angenommen. Kubicki betonte nach der Abstimmung über den Antrag: „Wir werden ihn umsetzen, das verspreche ich Ihnen.“ Das Vertrauen sei aufgebraucht. Zur Koalitionsfrage werde die FDP das Thema aber nicht machen.

Nonnenmacher steht seit Monaten in der Kritik – zunächst wegen umstrittener Finanzgeschäfte, die die Bank in Schieflage brachten, und nun wegen einer Spitzelaffäre, in der die Staatsanwaltschaft ermittelt. Die Bank hatte nach eigener Darstellung das Sicherheitsunternehmen Prevent damit beauftragt, Informationslecks aufzuspüren. Der Firma wird vorgeworfen, Politiker ausgespäht und unliebsamen Managern der Bank fingierte Beweismittel – darunter kinderpornografisches Material – untergeschoben zu haben. Prevent hat dies bestritten. Auch Nonnenmacher hatte die Vorwürfe gegen die Bank zuletzt vor einem Untersuchungsausschuss des Kieler Landtags zurückgewiesen. Nonnenmacher warnte am Wochenende davor, die Landesbank weiter öffentlich zu zerreden. „Wenn der Zustand der Daueraufregung kein Ende findet, wird die Sanierung der Bank nicht gelingen – egal, mit wem an der Spitze“, sagte er. Der HSH-Chef will die Bank 2011 wieder in die Gewinnzone führen und dividendenfähig machen.

 Seine Kritiker besänftigt das nicht. Die HSH Nordbank werde bei der Senatssitzung an diesem Dienstag in Hamburg eine Rolle spielen, bestätigte Senatssprecher Markus Kamrad. Auch Schleswig-Holsteins Wirtschaftsminister Jost de Jager (CDU) kündigte an, am Dienstag werde im Landeskabinett über ein „geordnetes Verfahren“ gesprochen, das unter Führung des Aufsichtsratschefs umgesetzt werden müsse. „Nach dem offensichtlichen Vertrauensverlust in der Öffentlichkeit muss ein Vertrauensverlust auf den Finanzmärkten verhindert werden“, erklärte der Minister.

 Kubicki rechnet damit, dass Hamburg und Schleswig-Holstein den Aufsichtsrat am Dienstag auffordern werden, Nonnenmacher zu entlassen. Wenn das Gremium sich weigere, sollte nach Kubickis Ansicht eine Hauptversammlung einberufen werden, um dort den Willen der beiden Hauptanteilseigner durchzusetzen.

  Doch ein Problem gibt es für die Kritiker des Bankenchefs: Die HSH Nordbank ist eine Aktiengesellschaft. Nur der Aufsichtsrat könnte Nonnenmacher entlassen. Aufsichtsratschef Hilmar Kopper und das gesamte Gremium stehen allerdings bislang hinter Nonnenmacher. Sollte es zu einer Ablösung kommen, dürfte dies nur mit einem „goldenen Handschlag“ erfolgen. In der Regel lassen sich geschasste Manager ihren Abgang teuer entlohnen.Allerdings scheint die Unterstützung durch Kopper allmählich ins Wanken zu kommen. Der Aufsichtsratschef äußerte sich zuletzt distanzierter über die Zukunft des Bankchefs. Kopper sagte, sobald er erfahren sollte, dass Nonnenmacher etwas getan habe, das aktienrechtlich nicht zu verantworten sei, werde er „sofort die Konsequenzen ziehen“. Dafür müsse Nonnenmacher aber konkretes Fehlverhalten nachgewiesen werden. dpa/rtr

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