HSH Nordbank : Alte Verluste, neue Probleme

Der Chef der HSH Nordbank verantwortete Abschreibungen in Höhe von einer halben Milliarde Euro.

Frank M. Drost (HB)

BerlinBerlin - Für den Vorstandsvorsitzenden der HSH Nordbank, Dirk Jens Nonnenmacher, wird die Luft immer dünner. Wie nun bekannt wurde, hat Nonnenmacher im November 2007, einen Monat nach seinem Amtsantritt als Finanzvorstand, wie der gesamte Vorstand grünes Licht für einen 600 Millionen Euro schweren Kredit in zwei Tranchen gegeben. Ein Jahr später förderte die interne Revision zutage, dass es sich bei diesem Engagement um keinen Kredit, sondern um risikoreiche Kreditersatzgeschäfte mit der französischen Bank BNP Paribas handelte – mit großen Verlusten für die kleine Landesbank. Das Geschäft musste 2008 mit 500 Millionen Euro abgeschrieben werden, wie die Bank am Dienstag bestätigte, und trug damit erheblich zu dem negativen Jahresergebnis von 2,8 Milliarden Euro bei.

Eingefädelt wurde der Deal von der Londoner HSH-Niederlassung. Ob die Beträge möglicherweise falsch deklariert wurden oder der Vorstand schon über die damit verbundenen Risiken unterrichtet war, sie aber gegenüber der Finanzaufsicht Bafin verheimlichte, wie es der TV-Sender NDR behauptet, steht bisher nicht fest. Die Neugier der Finanzaufsicht sei jedenfalls geweckt, hieß es in Finanzkreisen. Der Umgang der HSH mit diesem Thema sei auf jeden Fall ein Beispiel mangelnder Risikokontrolle.

Bislang hält Aufsichtsratschef Hilmar Kopper seine schützende Hand über Nonnenmacher. Ihm sei es zu verdanken, dass die HSH die Finanzmarktkrise überhaupt überlebt habe, sagte Kopper vor wenigen Wochen in einem Interview. Dass, wie nun bekannt wurde, Nonnenmacher zumindest teilweise für die Misere mitverantwortlich war, dürfte für neuen Gesprächsstoff sorgen.

Politiker mehrerer Parteien forderten am Dienstag die Ablösung des HSH- Chefs. Die FDP in Schleswig-Holstein, neben Hamburg der maßgebliche Großaktionär der Bank, macht schon länger keinen Hehl aus ihrem Wunsch, den Vorstand der HSH komplett auszutauschen. Auch die SPD in Schleswig-Holstein und Hamburg drängt auf eine Ablösung Nonnenmachers. Derzeit prüft eine Anwaltskanzlei im Auftrag des Aufsichtsrates, ob das Bankmanagement in der Finanzmarktkrise seiner Verantwortung nachgekommen ist. Wie es in Bankkreisen hieß, soll auf jeden Fall der Posten des Risiko- Vorstandes in den kommenden Wochen neu besetzt werden. Derzeit ist Nonnenmacher in Personalunion für die Ressorts Finanzen, Risiko und operatives Geschäft zuständig.

Die Nerven der Anteilseigner hatte Nonnenmacher schon mehrfach strapaziert. Etwa, als er auf seinen Bonus in Höhe von 2,9 Millionen Euro nicht verzichten wollte, obwohl gleichzeitig zahlreiche Mitarbeiter der Bank entlassen wurden. Frank M. Drost (HB)

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