Wirtschaft : Humanist

Peter von Becker

„Erlernter Beruf: Keiner“ lautet der Titel dieser posthum erschienenen Autobiografie von Heinz Friedrich. Der 1922 in ein Dorf bei Darmstadt Geborene kam verwundet aus dem Hitlerkrieg, wurde mit 23 im Rhein-Maingebiet Theaterkritiker, mit 25 Feuilletonchef einer Wochenzeitung, war Gründungsmitglied der Gruppe 47, veröffentlichte Lyrik, wurde Chef des Abendstudios im Hessischen Rundfunk, dann Cheflektor im Fischer-Taschenbuchverlag, Programmdirektor von Radio Bremen und 1961, mit gerade 39, Kopf und Seele des von ihm mitgegründeten Deutschen Taschenbuch Verlags. Bis zu seiner Pensionierung verlegte Friedrich über 6400 Titel in einer Gesamtauflage von mehr als 250 Millionen Exemplaren. So galt er als erfolgreichster Taschenbuchverleger Europas.

 Zum Thema Tagesspiegel Online: Leipziger Buchmesse
 Service Online bestellen: "Erlernter Beruf: Keiner"
Bis zu seinem Tod 2004 bestand er darauf, Autodidakt zu sein. Daher der Titel seiner unvollendeten, von seinem Vertrauten Björn Göppel aus verstreuten Manuskripten zusammengefügten Autobiografie. Sie umreißt, manchmal etwas weitschweifig, doch immer geistvoll das immense Panorama eines durch die Universität des Lebens und Lesens gebildeten Humanisten. Im Hintergrund wirkend, war Friedrich eine der einflussreichsten Figuren des bundesdeutschen Kulturlebens.

Heinz Friedrich: Erlernter Beruf: Keiner. Erinnerungen an das 20. Jahrhundert. dtv, München. 464 Seiten, 16€.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben