Wirtschaft : Humor, Hut und Dialekt

Vier Projekte treten beim Diversity Slam an.

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Jung geblieben. Uta Zech gewinnt den ersten Diversity Slam. Foto: Mike Wolff
Jung geblieben. Uta Zech gewinnt den ersten Diversity Slam. Foto: Mike Wolff

Berlin - Gar nicht schlecht diese Uta Zech. Also bei dem Alter. Ihre Kunstfigur Wilma Schildhorn, Endsechzigerin aus dem Norden, dekliniert beim Diversity Slam 2013 die Vorzüge des Älterwerdens in Unternehmen durch. Mit Humor, Hut und Dialekt: „Wenn Sie keine Mitarbeiter über 50 mehr einstellen, weil sich die Investition nicht lohnt, dann wäre das ja so, als mache man keine Tomatensoße mehr auf die Pizza, weil man die ja sowieso gleich isst, nich?“, ruft sie am Donnerstagabend in den Saal des Tagesspiegel-Verlagsgebäudes. Ein bisschen Stand-Up, ein bisschen Spaß – doch es ist ihr ernst.

Vier Projekte traten beim sogenannten Slam gegeneinander an. Darunter die Stiftung PrOut@Work, die sich für eine stärkere Beachtung von sexueller Identität in Unternehmen einsetzt. Success Across hat sich auf die Beratung von Firmen spezialisiert und wirbt für mehr kulturelle Vielfalt. Der Deutsche Juristinnenbund, der seit 2009 jährlich die Hauptversammlungen börsennotierter Unternehmen besucht, befragte die jeweiligen Vorstände immer wieder nach der Seltenheit von Frauen in Aufsichtsräten. Und eben Uta Zech, Inhaberin einer Designagentur, die die Potenziale ihrer älteren Mitarbeiter zu schätzen und zu nutzen weiß.

Ungewöhnliche Performances sollten es werden, um das jeweilige Projekt vorzustellen. Am Ende entschieden die Konferenzteilnehmer mit Wertungen von eins bis zehn, wer den Slam gewinnen würde. Was unter Dichtern und Comedians im Trend liegt, war bei der Vorstellung von Projekten jedenfalls ungewöhnlich. Manuela Schauerhammer stellte in ihrem Auftritt eine Aktionärsversammlung mit echten Zitaten nach, die die Diskriminierung von Frauen in Unternehmen nur allzu deutlich machten. Nina Frauenfeld von Success Across spannte Tagesspiegel-Chefredakteur Lorenz Maroldt, der eigentlich als Moderator fungierte, gleich mit ein und ließ ihn bei jeder Diversity-Idee „Geht nicht!“ in den Saal blöken, woraufhin das Publikum zu antworten hatte: „Gibt’s nicht!“ Und Kathrin Mahler Walther und Albert Kehrer von PrOut@Work rezitierten – als Zeitungsjungen verkleidet – die Negativschlagzeilen über Homosexuelle mit dem Fazit: Es gibt noch viel zu tun.

Doch die meisten Stimmen sammelte am Ende Uta Zech. Trotz ihres Alters. Oder spielte ihr am Ende der Altersdurchschnitt der anwesenden Führungskräfte in die Hände? Sidney Gennies

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