Wirtschaft : Hund und Katz entlasten die Kassen

Haustierbesitzer ersparen dem Gesundheitswesen Milliarden

Anselm Waldermann

In Deutschlands Grünanlagen waren sie schon immer Feinde: Hundebesitzer und Hundehasser. Nun schaltet sich in diesen Streit auch die Wirtschaftswissenschaft ein – und könnte die Gemüter weiter erregen. Denn der australische Ökonom Bruce Headey und sein Berliner Kollege Markus Grabka ergreifen einseitig Position zugunsten der Tierfreunde: Weil Menschen ohne Haustier kränklicher seien als Menschen mit Haustier, werde das Gesundheitswesen jährlich mit mehreren Milliarden Euro belastet, haben sie herausgefunden.

Egal, ob Hund oder Meerschwein: Dass Tierhalter gesünder sind als andere Menschen, ist schon lange bekannt. Ebenso die Tatsache, dass sie im Alter körperlich und mental fitter bleiben. Allerdings stützten sich alle bisherigen Untersuchungen dazu nur auf Querschnittsdaten. „Deshalb blieb unklar, was die Ursache und was die Wirkung ist“, erklärt Grabka. „Schließlich hätte der Zusammenhang auch darin bestehen können, dass sich nur besonders gesunde Menschen einen Hund oder eine Katze anschaffen.“

Mit dieser Unsicherheit ist nun Schluss – dank der Längsschnittdaten des sozio-ökonomischen Panels (SOEP), einer über mehrere Jahre angelegten Untersuchung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW). Dabei wurden über tausend Personen zweifach befragt, einmal 1996, ein weiteres Mal 2001. Das Ergebnis: „Die Personen, die sich in diesem Zeitraum ein Tier angeschafft haben, gingen 2001 erheblich seltener zum Arzt als 1996“, sagt Headey. Dies lasse sich unabhängig von anderen Variablen wie zum Beispiel dem Alter, dem Einkommen oder dem Familienstand nachweisen, betont Grabka. Auch den Umkehrschluss konnten die Wissenschaftler aufzeigen – wenn auch nicht ganz so deutlich: Wer zu Beginn der Studie ein Haustier besaß, das in den folgenden Jahren starb, ging 2001 öfter zum Arzt als 1996. Das Halten eines Tieres scheint somit tatsächlich die Ursache für die bessere Verfassung seines Besitzers zu sein.

Die medizinische Erklärung dafür ist noch nicht erforscht. In Fachkreisen werden mehrere Möglichkeiten diskutiert: So könnten Tiere das Immunsystem ihrer Herrchen stärken, deren Blutdruck senken oder einfach das psychische Wohlbefinden heben. Fest steht jedenfalls: Tierhalter gingen im Jahr 2001 durchschnittlich nur elf Mal zum Arzt, alle anderen hingegen 12,9 Mal.

Da über ein Drittel der Deutschen ein Haustier besitzen, ist das Forschungsergebnis auch wirtschaftlich von Relevanz. „Wenn wir annehmen, alle Haustiere würden abgeschafft, dann stiege die Zahl der Arztbesuche in Deutschland um 2,56 Prozent“, berichtet Headey. „Dies würde Mehrausgaben für das Gesundheitswesen in Höhe von 5,6 Milliarden Euro bedeuten.“ Damit stellt sich die Frage, ob Menschen ohne Tier höhere Krankenversicherungsbeiträge zahlen sollten – ähnlich wie Extremsportler. Aber so weit will sich Grabka nicht aus dem Fenster lehnen: „Die Abschaffung der Hundesteuer wäre doch schon was“, scherzt der Wissenschaftler.

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