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Hunderte Flugausfälle : Lufthansa-Streik geht am Dienstag weiter

Der Streik der Lufthansa-Flugbegleiter zeigt Wirkung: Insgesamt fallen am Montag mehr als 900 Flüge aus, am Flughafen Tegel sind 29 Flüge gestrichen worden.

Andreas Framke,Peter Maushagen
Wenn die Flugbegleiter nicht fliegen wollen, nützt auch kein Check-in-Automat.
Wenn die Flugbegleiter nicht fliegen wollen, nützt auch kein Check-in-Automat.Foto: Boris Roessler/dpa

Die Flugbegleitergewerkschaft Ufo setzt ihre Streiks bei der Lufthansa am Dienstag an drei deutschen Flughäfen fort. Betroffen seien ganztägig die Flughäfen in Frankfurt am Main, Düsseldorf und München, teilte Ufo am Montag in Mörfelden-Walldorf mit. Der Streik hatte am Freitag begonnen und soll bis zum Freitag andauern, eine Pause hatte es am Sonntag gegeben.

Auch am Montag sind Flüge auf der Kurz-, Mittel- und Langstrecke betroffen. Passagiere müssen sich auf hunderte Flugausfälle einstellen, es fallen nach Unternehmensangaben am Montag 929 Flüge der Lufthansa aus. Betroffen seien etwa 113.000 Fluggäste. In Berlin sind am Montag 29 Lufthansa-Abflüge am Flughafen Tegel gestrichen worden. Der Flughafen Schönefeld wird von Lufthansa nicht genutzt.

Schlangen an den Transitschaltern

Am Montag dürfte es deswegen zu längeren Schlangen an den Transitschaltern kommen wegen der zahlreichen Umbuchungen, sagte ein Sprecher des Frankfurter Flughafen-Betreibers Fraport am Morgen. Ansonsten laufe bislang aber alles in geordneten Bahnen. Im Transitbereich stünden rund 600 Betten, davon seien in der Nacht aber höchstens 50 belegt gewesen. Es hätten nicht viele Passagiere am Flughafen übernachten müssen.

Der Streik, der die ganze Woche dauern soll, hatte am Freitag begonnen - zunächst nur in Frankfurt und Düsseldorf. Am Freitag und Samstag fielen laut Ufo 95 Prozent der bestreikten Flüge aus. Für Sonntag hatte Ufo nicht zu Arbeitsniederlegungen aufgerufen. "Unsere Gäste müssen bis inklusive Freitag davon ausgehen, dass ihr Flug mit Lufthansa ausfällt. Am Montag werden wir bekanntgeben, ob es Teilbereiche gibt, die ab Dienstag vom Streik ausgenommen sind", erläuterte Baublies.

Der Streit dauert schon zwei Jahre

Der Zwist der Flugbegleiter mit ihrem Arbeitgeber um die Altersversorgung dauert inzwischen gut zwei Jahre. Es ist der erste Ausstand der Stewards und Stewardessen, von denen insgesamt 19.000 für die Lufthansa arbeiten, in der aktuellen Tarifrunde. Die Piloten der Kranich-Linie haben bereits 13 mal gestreikt, der letzte Ausstand endete im Sommer überraschend durch ein Verbot des Landesarbeitsgerichts Hessen. Der Konflikt ist aber weiterhin ungelöst.

Ufo-Chef Nicoley Baublies machte die Lufthansa dafür verantwortlich, dass der Streik nun an Intensität zunimmt. Seit Donnerstagnachmittag habe die Airline den Kontakt mit der Gewerkschaft angebrochen. Dieser Darstellung widersprach eine Lufthansa-Sprecherin. Sie kündigte zugleich an, im Laufe des Tages werde einen Sonderflugplan für Montag erarbeitet.

Welche Strecken nicht betroffen sind

Der Vorstand des Dax-Konzerns beriet am Montag in einer Krisensitzung das weitere Vorgehen, über das am Abend berichtet werden sollte. Nähere Einzelheiten gab das Unternehmen zunächst nicht bekannt. Er rechne angesichts des Tonfalls der Ankündigung nicht mit einem neuen Angebot, sondern eher mit neuen Drohungen etwa zu Auslagerungen von Jets, erklärte Baublies. Man warte die Erklärung ab und werde dann entsprechend reagieren.

Flüge der Group Airlines Air Dolomiti, Austrian Airlines, Brussels Airlines, Eurowings, Germanwings, Lufthansa CityLine und Swiss sind vom Streik bei der Kerngesellschaft nicht betroffen. Von den Langstrecken-Flügen fielen am Montag bis auf einen von Frankfurt nach Tampa (USA) sowie zwei von München nach Newark (USA) und Schanghai (China) alle aus. Seit Streikbeginn am Freitag addiert sich die Zahl der ausgefallenen Lufthansa-Flüge bereits auf mehr als 1700.

Ufo: Konzernumbau richtig, aber...

Baublies betonte, Ufo halte den von Lufthansa-Chef Carsten Spohr in Angriff genommenen Konzernumbau an vielen Stellen für richtig. "Wir sind jedoch überzeugt davon, dass es ein Dienstleistungsunternehmen nicht aushält, solch einen Umbau ohne Perspektive für alle Mitarbeiter durchzuziehen und zugleich alle Tarifpartner zu bekämpfen." Dadurch befinde sich nicht nur die Marke Lufthansa, sondern der gesamte Konzern in einer "unnötigen Zerreißprobe".

Ufo-Vizechefin Sylvia De La Cruz äußerte Verständnis für die betroffenen Passagiere: "Wir wissen, dass dieser Konflikt vor allem unsere Gäste trifft, die verständlicherweise verärgert sind." Ufo habe sich Veränderungen nicht verschlossen und dreistellige Millioneneinsparungen angeboten. "Jetzt bleibt uns nur noch dieser Weg und wir stehen dafür ein", unterstrich die Gewerkschafterin. (rtr)

Wer bei Lufthansa gebucht hat, findet Informationen zum Flugplan und allen Fragen rund um den Streik im Internet.

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