Wirtschaft : Hundt legt nach

Arbeitgeberpräsident verteidigt umstrittene Job-Prognose BONN (ADN).Die Prognose der Arbeitgeber, wonach bis zur Bundestagswahl mit bis zu 600 000 zusätzlichen Arbeitsplätzen zu rechnen sei, sorgt bei der Opposition und den Gewerkschaften weiter für Zündstoff.Auch der Zentralverband des Deutschen Baugewerbes (ZDB) warnte vor "allzu hohen Erwartungen".Verbandspräsident Fritz Eichbauer verwies am Freitag in Bonn darauf, daß die rezessive Baukonjunktur auch 1998 das gesamtwirtschaftliche Wachstum bremsen werde.Dies habe Auswirkungen auf die Arbeitslosenzahl.Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt verteidigte seine Prognose von über einer halben Million neuer Jobs als "durchaus realistisch".Sie beziehe sich auf die nächsten Monate, sagte er der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung".Die im Jahreswirtschaftsbericht der Bundesregierung genannte Zahl von 200 000 Stellen gehe "von einem anderen Betrachtungszeitraum" aus, nämlich dem Vergleich Jahresende gegenüber Jahresende.Zu den Ursachen, die zu einem "kräftigen Beschäftigungszuwachs" führen, zählte Hundt "gerade auch das Anziehen der Konjunktur und das Greifen der von der Regierungskoalition in die Wege geleiteten Reformen".Allein die geänderte Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall habe die Wirtschaft in einer Größenordnung von rund 15 Mrd.DM entlastet.Hinzu kämen die Rationalisierungsmaßnahmen in den Betrieben und die moderaten Tarifabschlüsse.Vorwürfe der SPD und der Gewerkschaften, er betreibe Wahlpropaganda für die Bonner Koalition, wies Hundt zurück.Von einer neuen Nähe der Wirtschaft zur Regierung könne keine Rede sein.Unterstützung bekam Hundt von Bundesforschungsminister Jürgen Rüttgers.Bis zum Sommer sei insgesamt mit 500 000 neuen Arbeitsplätzen zu rechnen, sagte Rüttgers im "Saarländischen Rundfunk".Die neuen Jobs entstünden vor allem in den Bereichen der höherwertigen Technologie und der Dienstleistung.Der SPD-Sozialexperte Rudolf Dreßler kritisierte, Hundt müsse sich fragen lassen, wieso er sechs Monate vor der Wahl 600 000 Jobs "aus dem Hut zaubern" wolle.1997 habe er noch erklärt, "daß eine Beschäftigungsoffensive in dieser Größenordnung unmöglich ist".Durch eine aktive Arbeitsmarktpolitik könnte man zwar "einige hunderttausend Arbeitsplätze" schaffen.Doch werde das unter den gegebenen Verhältnissen nicht möglich sein, fügte er im "Inforadio Berlin-Brandenburg" hinzu.Die Berliner Arbeitssenatorin Christine Bergmann (SPD) nannte die Prognose der Arbeitgeberverbände unrealistisch.Ihr fehle der Glaube daran, daß über Nacht das Jobwunder passiert", sagte sie im Deutschlandradio Berlin.Die im Jahreswirtschaftsbericht vorgelegte Schätzung zum Rückgang der Arbeitslosigkeit um 200 000 Fälle in diesem Jahr stellt nach den Worten des Parlamentarischen Geschäftsführers der Unions-Fraktion im Bundestag, Joachim Hörster, eine vorsichtige Erwartung dar.Hörster betonte in Bonn, die Trendwende am Arbeitsmarkt werde in diesem Jahr auf jeden Fall erreicht.Daher sei eher mit einer darüber hinausgehenden Beschäftigungszunahme zu rechnen.Dagegen bezweifelte das DGB-nahe Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut (WSI) die Prognosen der Bundesregierung zu Wachstum und Arbeitsmarkt.Statt des erwarteten Abbaus der Arbeitslosenzahl um bis zu 200 000 im Jahreslauf gehe das WSI von 50 000 bis 100 000 Erwerbslosen weniger aus, sagte der Konjunkturexperte des Instituts, Bernd Mülhaupt, in Düsseldorf."Völlig unrealistisch" sei die Annahme, die Zahl der Arbeitslosen könne im Osten Ende 1998 bis zu 100 000 geringer liegen als Ende vergangenen Jahres.

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