Wirtschaft : Hurrikan „Katrina“ bremst die Weltwirtschaft

Währungsfonds senkt Wachstumsprognose für 2006

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Washington/Berlin Die anhaltend hohen Ölpreise und die Nachwirkungen des Wirbelsturms „Katrina“ dämpfen im kommenden Jahr die Weltkonjunktur. Das prognostiziert der Internationale Währungsfonds (IWF) in seinem neuen Weltwirtschaftsausblick, der kommende Woche Mittwoch vorgestellt wird. Nach Informationen des Handelsblatts senkt der Fonds darin seine Prognose für das Wachstum der Weltwirtschaft für 2006 um 0,1 Punkte auf 4,3 Prozent. Für dieses Jahr prognostiziert der IWF unverändert ein Plus in gleicher Größenordnung.

„Die globale Konjunktur befindet sich zwar nach wie vor auf einem erfreulichen Wachstumspfad, aber die Abwärtsrisiken haben zugenommen“, sagte ein hochrangiger IWF-Mitarbeiter dem Handelsblatt. Dem IWF zufolge hat „Katrina“ selbst zwar eher „geringfügige Auswirkungen“ auf die US-Wirtschaft. Es bestehe aber die Gefahr, dass der Hurrikan eine Reihe von „Zweitrunden-Effekten“ auslöse. So könne die Kauflust der Amerikaner auf Grund der hohen Benzin- und Heizölpreise abnehmen – das wiederum treffe auch Exportstaaten wie Deutschland. Sollten die Preise auf Grund der angespannten Energiemärkte weiter ansteigen, sei zudem damit zu rechnen, dass die US-Notenbank ihren Kurs der graduellen Anhebung der Leitzinsen fortsetze. „Das könnte sich als zusätzliche Belastung für die amerikanische Binnenkonjunktur erweisen“, fürchtet der IWF.

Ökonomen des renommierten Institute for International Economics (IIE) in Washington befürchten eine noch stärkere Eintrübung der Weltkonjunktur als der IWF. Für das kommende Jahr prognostizieren sie nur ein Plus von 3,5 Prozent nach 4,0 Prozent in diesem Jahr. „Wir müssen zumindest für ein weiteres Jahr mit Ölpreisen um die 65 Dollar pro Barrel (159 Liter) rechnen, was sich global negativ auswirkt“, sagt der IIE-Experte und Ex-IWF-Chefvolkswirt Michael Mussa. In den USA schwäche sich das Wachstum von 3,5 Prozent in diesem auf nur noch 2,8 Prozent im nächsten Jahr ab. In der Euro-Zone sei in beiden Jahren mit jeweils 1,3 Prozent zu rechnen. Martin Baily, der damalige Chef-Wirtschaftsberater von Ex-Präsident Bill Clinton und ebenfalls am IIE tätig, sieht vor allem die US-Binnennachfrage unter Druck. „Die hohen Energiepreise und die leichte Blasenbildung auf dem überhitzten Immobilienmarkt reißen Löcher in das verfügbare Einkommen.“

Eine Abkühlung der Weltwirtschaft würde auch die stark exportlastige deutsche Wirtschaft treffen. Bislang hatte sich die Entwicklung in diesem Jahr stark auf die Ausfuhr gestützt. Nach Ansicht des Bundeswirtschaftministeriums sieht es aber vorerst nach einer weiteren Erholung aus. „Nachdem sich im Juli wichtige Indikatoren wie Auftragseingang und Produktion erneut deutlich verbessert haben, spricht vieles dafür, dass sich die wirtschaftliche Dynamik im zweiten Halbjahr beschleunigt“, erklärte das Ministerium am Donnerstag. Dies werde auch dazu führen, dass sich der Aufwärtstrend auf dem Arbeitsmarkt fortsetzt.

Die Ölpreise sind derweil wieder auf dem Rückzug. Nachdem die US-Lagerbestände am Mittwoch unerwartet deutlich gesunken waren, hatte sich der Rohstoff um bis zu zwei Dollar verteuert. Am Donnerstag sank der Preis für ein Barrel in New York wieder unter die Marke von 65 Dollar. Leichtes US-Öl der Sorte WTI kostete 64,85 US-Dollar. brö/bac/HB

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