Hurrikan und Skandale : Das turbulente Jahr von Munich Re

Münchner Glück: Die Konzerntochter Ergo und die Gesundheitssparte des Rückversicherers stürzen ab - dennoch steigert die Munich Re 2012 ihren Gewinn.

Ozan Demircan, Axel Höpner
Schäden in Milliardenhöhe: Im Oktober verwüstete Hurrikan Sandy die Ostküste der USA.
Schäden in Milliardenhöhe: Im Oktober verwüstete Hurrikan Sandy die Ostküste der USA.Foto: dpa

Frankfurt am Main/München - Das Kerngeschäft läuft prima: Zwar kostete „Sandy“ den weltgrößten Rückversicherer Munich Re rund 800 Millionen Euro. Doch der Hurrikan, der im Oktober 2012 über den Osten der USA hinwegzog, blieb einer der wenigen Großschäden für das Unternehmen. Von den meisten Naturkatastrophen blieb der Münchner Konzern verschont. Statt 4,5 Milliarden im Vorjahr musste er so lediglich 1,3 Milliarden Euro Entschädigungen auszahlen. Weil sich gleichzeitig die Lage an den Kapitalmärkten entspannte, vervierfachte sich der Gewinn auf 3,2 Milliarden Euro.

Davon sollen auch die Aktionäre etwas haben. Die Dividende soll um 75 Cent auf 7,00 Euro je Aktie steigen. Das trieb das Papier am Dienstag um 3,9 Prozent auf fast 139 Euro – Munich Re war größter Gewinner im Dax. Trotzdem trüben zwei große Baustellen die Stimmung. Die Gesundheitssparte Munich Health ist abgestürzt, und die Schwierigkeiten bei der Erstversicherungstochter Ergo werden nicht weniger.

Munich Health ist eigentlich ein Hoffnungsträger im Konzern. In der Sparte sind die Krankenversicherungs-Angebote außerhalb Deutschlands und die weltweiten Rückversicherungsgeschäfte mit Krankenversicherern gebündelt. Seit einigen Jahren versucht der Weltmarktführer, das Geschäftsfeld als drittes starkes Standbein neben Erst- und Rückversicherungen aufzubauen.

Sonderlich profitabel war Munich Health bislang allerdings nicht. Nun kommen Probleme bei der US-Tochter Windsor Health Group hinzu. Der Krankenerstversicherer machte zuletzt 86 Millionen Euro Verlust. Insgesamt musste Munich Health 166 Millionen Euro abschreiben.

Schon an der Übernahme des US-Krankenversicherers Sterlin Life im Jahr 2007 hatte die Munich Re wenig Freude gehabt. Nach einer Gesundheitsreform war das Geschäftsmodell der Tochter obsolet. Daher kaufte der Konzern 2010 für 131 Millionen Dollar die WHG. Inzwischen stellte sich heraus: Die Tochter ist qualitativ nicht gut genug. Im vergangenen Jahr wurde das Management ausgetauscht.

Unter dem Strich machte Munich Health trotzdem erst einmal einen Verlust von 90 Millionen Euro, nach einem Gewinn von 40 Millionen Euro im Jahr zuvor. Wegen der eingeleiteten Gegenmaßnahmen sind auch im laufenden Jahr weitere Verluste möglich.

Nach den Skandalen um Lustreisen und falsch berechnete Riester-Verträge bei der Erstversicherungstochter Ergo schrumpften die Beitragseinnahmen dort um 2,1 Prozent. Im Schlussquartal verursachte der Umbau der Firma zusätzlich einen Verlust von 90 Millionen Euro. Ergo ist gerade dabei, aus fünf Vertriebsorganisationen zwei zu machen. Insgesamt werden die Kosten auf 130 Millionen Euro beziffert. So verfehlte der Erstversicherer mit einem Gewinn von 290 Millionen Euro im Gesamtjahr die Zielmarke, die 400 Millionen Euro betrug.

Weil Finanzvorstand Jörg Schneider die Belastung durch die Versicherungsfälle insgesamt jedoch als „leicht unterdurchschnittlich“ einstufen musste, sind höhere Prämien vorerst nicht durchsetzbar. Im Durchschnitt konnte Munich Re die Preise in der jüngsten Erneuerungsrunde der Verträge zum Jahreswechsel nur um rund 0,5 Prozent anheben.

Die etablierten Größen spüren zudem auch den zunehmenden Wettbewerb. Die Anzahl der Rückversicherer wächst. So nahm zum Jahresbeginn in Hongkong „Peak Re“ das Geschäft auf. HBMUNICH RE]

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