Wirtschaft : HVB-Chef Rampl schürt Spekulation um Bankenfusionen

Neuordnung der Branche ohne Volksbanken und Sparkassen?

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Frankfurt (Main) (ro). Die Gerüchte um bevorstehende Übernahmen oder Fusionen in der deutschen Kreditwirtschaft halten an. Nach Ansicht von Finanzstaatssekretär Caio KochWeser haben Banken und Sparkassen nicht mehr viel Zeit, um den überfälligen Bereinigungsprozess in Deutschland auf den Weg zu bringen. Zur Stärkung des deutschen Finanzplatzes brauche Deutschland ein international starkes Geldinstitut, heißt es schon seit längerem im Finanzministerium. Zurzeit rangiert selbst die Deutsche Bank nicht einmal mehr unter den 15 größten Instituten, wie Dieter Hein, unabhängiger Bankenanalyst sagt. Unterdessen lehnt Sparkassen-Präsident Dietrich Hoppenstedt einen Verkauf von Sparkassen an private Großbanken weiter entschieden ab. Das sei rechtlich auch gar nicht möglich.

Dieter Rampl, Vorstandschef der Hypo-Vereinsbank (HVB), heizte am Freitag Fusionsspekulationen an. Auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos bekundete er den grundsätzlichen Konsolidierungswillen seines Hauses. Allerdings sei jede Konstellation in Deutschland schwierig. Auch ein möglicher Zusammenschluss mit der Commerzbank, der nach Ansicht Rampls tiefe Einschnitte im Filialnetz und damit vermutlichen einen starken Abbau von Arbeitsplätzen zur Folge hätte. Beide Seiten hatten diese Variante noch vorige Woche als „Unsinn“ bezeichnet. Der HVB-Chef schließt gleichwohl größere Fusionen auf dem europäischen Bankenmarkt in diesem Jahr nicht aus. Auch den Kauf deutscher Institute durch ausländische Wettbewerber. Das werde den Druck dann noch weiter erhöhen.

Das hält Banken-Analyst Hein für eher unwahrscheinlich. „Während die Banken in den Ländern um uns herum 2003 ihre Gewinne um 15 bis 20 Prozent gesteigert haben, stecken die deutschen Banken tief in der Verlustzone. Warum sollte ein Ausländer eine solche Bank kaufen?“ Das Haupthindernis für eine Konsolidierung in Deutschland ist nach Ansicht Heins die fehlende Liberalisierung des Bankenmarktes und damit die Möglichkeit von Fusionen und Übernahmen über die Grenzen von Privatbanken, Sparkassen und Volksbanken hinweg, und zwar in beide Richtungen.

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