Hybridfahrzeuge : Elektroautos sind angesagt – und gefährlich

Der Weg bis zur vollständigen Elektrifizierung des Autos ist noch weit. Schon jetzt warnen Experten aber vor den Gefahren der neuen Technologie – insbesondere der Hochleistungsbatterie, die auch in heute schon verbreiteten Hybridfahrzeugen eingesetzt wird.

Auch in Hybridautos, die Verbrennungs- und Elektromotoren verbinden, arbeiten Hochleistungsbatterien. Schrauber, die ihren Wagen selbst reparieren, begeben sich in Lebensgefahr.
Auch in Hybridautos, die Verbrennungs- und Elektromotoren verbinden, arbeiten Hochleistungsbatterien. Schrauber, die ihren Wagen...Foto: dpa

München/BerlinHorst Schneider, Geschäftsführer des Münchner TÜV Süd Autoservice, verweist auf eine Umfrage der größten deutschen TÜV-Gesellschaft bei 311 Autohäusern und Werkstätten. Gut 83 Prozent der Befragten hätten eingeräumt, noch keinerlei Erfahrung mit Hybrid- oder Elektroautos zu haben. Zugleich würden aber mehr als 22 Prozent auch ohne Schulung Elektroautos reparieren. Fast 90 Prozent der Werkstätten seien zudem der Meinung gewesen, dass das Risiko im Umgang mit Elektroautos geringer sei als das beim Verbrennungsmotor. Schneider hält das Ergebnis der Umfrage für alarmierend. Moderne Lithium- Ionen-Batterien von Hybrid- und Elektroautos erforderten Spezialwissen, weil sie anders als herkömmliche Batterien im Hochspannungsbereich von 400 Volt arbeiten. Auch ADAC-Technikexperte Volker Sandner warnt Normalverbraucher: „400 Volt sind tödlich.“ Für Schrauber und Bastler seien die neuen Systeme deshalb extrem gefährlich. Mit fortschreitender Elektrifizierung kämen auf die Autowerkstätten ganz neue Aufgaben zu. Weil Hochleistungsbatterien sehr schwer sind, müssen andere Teile leichter werden. Aluminium und Karbonfasern, wie sie im Flugzeugbau verwendet werden, dürften nach und nach die Autoindustrie dominieren. Auch das verlange speziell geschultes Personal, sagt Sandner. „Der Schweißer um die Ecke kennt sich da nicht mehr aus.“

Nur knapp 15 Prozent der Werkstätten wollen aber laut TÜV-Studie ihr Personal dieses oder kommendes Jahr mit der neuen Technik vertraut machen. Elektromobilität, so die Begründung, sei frühestens in fünf Jahren wirtschaftlich interessant. Der Zentralverband des deutschen Kfz-Gewerbes (ZDK) hat die Zeichen der Zeit hingegen erkannt. Eine Fortbildung zur Fachkraft für Hochvolt-Fahrzeuge werde bereits angeboten, betont ZDK- Sprecher Ulrich Köster. Eine umfassendere Schulung für die Anforderungen der neuen Technik sei in Vorbereitung.

Gemessen am mageren Angebot und der fehlenden Bereitschaft der Verbraucher, hohe Preise für Elektroautos zu bezahlen, bleibt der Branche noch Zeit. „Ein schneller Strukturwandel ist unwahrscheinlich, denn viele grundsätzliche Probleme bei der Elektromobilität sind noch zu lösen“, heißt es in einer aktuellen Studie der Deutsche-Bank-Tochter DB Research. Insbesondere die hohen Kosten für die Batterien seien eine Hürde für viele Autokäufer. Diese sind nach einer Untersuchung des Centers für Automobil-Management der Universität Duisburg-Essen bereit, höchstens 10 000 bis 25 000 Euro für ein E-Auto auszugeben. „Ab der Obergrenze von 25 000 Euro sinkt die Kaufbereitschaft sehr stark.“ tmh/mot

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