Hypo Real Estate : HRE: Eine wertlose Bank erwartet ihre Eigentümer

Die Hypo Real Estate steht vor der dritten Hauptversammlung in diesem Jahr. Rekordverdächtig ist an der Münchner Skandalbank Hypo Real Estate (HRE) einiges.

Thomas Magenheim

Drei Hauptversammlungen leistet sich 2009 sonst niemand. Zwei turbulente Treffen hat die Staatsbank schon hinter sich, heute in einer Woche lädt sie ihre zehn Prozent freien Eigner erneut ein, um über die Zwangsabfindung abstimmen zu lassen. Es wird hoch hergehen am 5. Oktober, und wieder ist das Ende unausweichlich, weil der Bund mit 90 Prozent der Anteile alles kontrolliert.

Doch die Hauptversammlung im Münchner Kongresszentrum ist nicht der einzige Ort der Auseinandersetzung. Beim Münchner Landgericht ist eine Klage aus Nordrhein-Westfalen anhängig, in der 200 Millionen Euro Schadenersatz gefordert werden. Angeblich steht sogar eine Ausweitung auf eine Milliarde Euro bevor. Die Kläger wollen nicht akzeptieren, dass ihre Aktien nahezu wertlos geworden sind.

Die Wirtschaftsprüfer von Price Waterhouse Coopers (PWC) haben den Wert der Bank zum Stichtag 5. Oktober rechnerisch sogar auf minus 824 Millionen Euro taxiert. Gemessen daran seien die 1,30 Euro angemessen, die der Bund freien Aktionären anbietet, urteilen die Gutachter.

Denn das Institut wird nur durch den Staat am Leben gehalten. Der Bankenrettungsfonds Soffin und ein Bankenkonsortium haben der HRE in Form von Krediten und Garantien einen Liquiditätsrahmen von rund 100 Milliarden Euro zur Verfügung gestellt. 80 Milliarden Euro davon hat die Bank in Anspruch genommen, aber noch keinen Cent endgültig verbrannt. Dazu kommt, dass der Bund jüngst drei Milliarden Euro für eine Kapitalerhöhung aufgewandt hat und die freien Aktionäre mit 282 Millionen Euro auszahlen will. Von einem Kapitalbedarf von weiteren sieben Milliarden Euro ist obendrein bereits die Rede. Dem stehen Gebühren von 257 Millionen Euro gegenüber, die der Soffin von der HRE kassiert hat. Ein schlechtes Geschäft – doch noch kann es ein Happy End geben: Falls die Bank reprivatisiert wird, müssen die Milliarden nicht verloren sein. Die HRE schrumpft unterdessen: Von einst 2000 Beschäftigten sollen bis 2011 nur noch 800 übrig sein.

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