Hypo Real Estate : Verdacht auf Insider-Geschäfte

Dem gebeutelten Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate steht offenbar bereits die nächste Krise ins Haus. Die Staatsanwaltschaft in München überprüft seit Monaten einen Verdacht auf verbotene Insider-Geschäfte. HRE-Manager sollen noch vor der ersten Alarmmeldung im Januar ihre Aktien verkauft haben.

Hypo Real Estate
Frühzeitiger Austieg: Haben die Manager von HRE den Notausgang verbotenerweise schon vor Bekanntwerden der Krise genommen? -Foto: dpa

MünchenDie Affäre um Missmanagement und Untreue beim krisengeschüttelten Münchner Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate (HRE) könnte größere Ausmaße annehmen als bisher bekannt. Die Münchner Staatsanwaltschaft prüft seit Februar auch den Verdacht auf verbotene Insider-Geschäfte, bestätigte Oberstaatsanwalt Anton Winkler am Samstag einen Bericht des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel". Es habe entsprechende Anzeigen gegeben.

"Wir haben die Bafin gebeten, den Sachverhalt zu überprüfen, die Antwort steht noch aus", sagte Winkler. "Wir beobachten, ob wir selbst neue Erkenntnisse bekommen, vor allem warten wir aber das Ergebnis der BaFin ab." Dann werde sich zeigen, ob strafrechtlich relevantes Verhalten im Einzelfall vorgelegen habe und Ermittlungen gegen einzelne Personen wegen Insiderhandels aufgenommen werden müssten.

Überprüft wird auch, ob der Konzern sein Lage richtig dargestellt hat

Mehreren Strafanzeigen zufolge sollen laut "Spiegel" HRE-Manager oder deren Familienangehörige und Freunde noch vor der ersten Alarmmeldung des Konzerns am 15. Januar im großen Stil HRE-Aktien abgestoßen haben. Damals hatte die Aktie der HRE innerhalb weniger Stunden ein Drittel an Wert verloren, nachdem das Institut völlig überraschend Millionenabschreibungen angekündigt hatte. Der Konzern habe bis dahin jede nennenswerte Betroffenheit von der Finanzmarktkrise dementiert und stattdessen betont, gestärkt aus den aktuellen Verwerfungen des Finanzmarktes hervorzugehen, hatten Anwälte betroffener Aktionäre vor Weihnachten ihr Vorgehen gegen das Unternehmen begründet.

Parallel zu den Überprüfung wegen Insiderhandels untersucht die Anklagebehörde auch, ob die Führung des Konzerns die Lage auch später bewusst unrichtig dargestellt und ihre Vermögensbetreuungspflicht verletzt hat. Ein HRE-Sprecher wollte sich laut "Spiegel" zu den Vorwürfen nicht äußern. Andere Manager hätten die Führung des Unternehmens gegenüber dem Nachrichtenmagazin in Schutz genommen, weil sie angeblich nur mangelhaft informiert wurde. (jg/dpa)

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