Wirtschaft : Hypo- und Vereinsbank: Immobilien machen HVB Sorgen

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Die Bayerische Hypo- und Vereinsbank (HVB) AG will nach einer internen Umbauphase bald wieder auf Einkaufstour gehen. "Wir haben einen deutlichen Bedarf in Westeuropa", sagte HVB-Chef Albrecht Schmidt bei der Bilanzvorlage in München zur künftigen Expansionsrichtung. In Osteuropa, wo die Bayern zuletzt schon kräftig zugekauft haben, interessiere sich die HVB für die tschechische Komercni Banka, die letzte nennenswerte Gelegenheit, in dieser Region Einfluss zu gewinnen. Schmidt hofft aber auch auf Akquisitionen in Italien, Frankreich und Spanien.

Im Nachbarland Frankreich gebe es "Partner, mit denen wir uns hervorragend ergänzen und stärken könnten", sagte Schmidt, ohne konkrete Kandidaten für "einen Kauf oder Merger" nennen zu wollen. Er werde dort aber "seinen Charme spielen lassen" und zu Gesprächen einladen, kündigte der HVB-Chef an. Für die Münchner sei vor allem das französische Immobiliengeschäft interessant, meinen Branchenkenner. Damit könne die HVB ihre Position als Marktführer in Europa ausbauen. In Spanien könnten dagegen auf Privatkunden spezialisierte Institute im HVB-Sucher liegen. In Italien gelten Zukäufe als schwierig, weil dort auch andere Großbanken in den Markt drängen.

Auf der Baustelle Hypovereinsbank sei der Rohbau abgeschlossen, "nun arbeiten wir am Innenausbau", sagte Schmidt. Nach einem Gewinneinbruch im Immobiliengeschäft, dem bisher wichtigsten Standbein, will die Hypovereinsbank die Aktivitäten in eine neue Immobilienbank ausgliedern. Das neue Institut, dessen Name noch nicht feststeht, werde diesen September seine Geschäfte aufnehmen und Anfang Oktober an die Börse gehen. Ziel sei es, die Eigenkapitalrendite in diesem Bereich von bis spätestens 2005 auf 15 Prozent zu steigern. Im Vorjahr wurden hier magere 6,8 Prozent erzieht. 2000 war der HVB-Gewinn mit Immobilien von gut 1,3 Milliarden Mark auf 0,9 Milliarden Mark gesunken, für Schmidt unakzeptabel wenig. Der Vorstandschef machte dafür das schwache Inlandsgeschäft verantwortlich. Zusätzlich zu diesem gewöhnlichen Immobiliengeschäft belastete das Segment "Workout Immobilien" die Bilanz des vergangenen Jahres, in dem Sanierungsfälle konzentriert sind. Der darauf entfallende Verlust sank im Vorjahr aber stark von 1,4 Milliarden Mark auf 200 Millionen Mark.

Eine weitere "Baustelle" sei die Ausdünnung des heimischen Filialnetzes, das damit profitabler werden soll, sagte Schmidt. Die Münchner wollen bis Ende des Jahres früheren Angaben zu Folge rund 160 Filialen schließen und dabei per saldo 800 Mitarbeiter entlassen. Bis Mitte 2001 wollen die Bayern mit der französischen Selftrade, Österreichs Daat und ihrer heimischen Tochter Direkt Anlage Bank eine Plattform für ein europaweites Direktbankengeschäft bauen. Schließlich müsse auch die Bank Austria, die Ende 2000 übernommen wurde, weiter in den HVB- Konzern integriert werden, umriss Schmidt die Aufgaben für die laufende Periode.

Operativ liege 2001 angesichts turbulenter Märkte bislang nicht auf Zielkurs, räumte Schmidt ein. Dennoch glaubt er, bis Ende des Jahres die Eigenkapitalrendite nach Steuern auf "deutlich über zehn Prozent" steigern zu können, nachdem sie im Vorjahr von 3,6 auf 9,2 Prozent verbessert wurde. Bis 2003 soll konzernweit eine Quote von 15 Prozent erreicht werden. Für die Dividende sieht Schmidt dieses Jahr "Raum für Verbesserungen", nachdem sie für das Vorjahr trotz hoher Ergebniszuwächse unverändert bei 0,85 Euro je Stammaktie und 0,93 Euro für die Vorzüge bleibt. 2000 hatte die Bank ihr Betriebsergebnis auf 3,7 Milliarden Mark verfünffacht. Das ist vor allem das Ergebnis einer Halbierung der Risikovorsorge auf 2,3 Milliarden Mark. Inklusive Bank Austria weist der Konzern Ende 2000 rund 1,4 Billionen Mark Bilanzsumme aus.

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