Wirtschaft : Hypo-Vereinsbank enttäuscht die Anleger

Schwache Quartalszahlen lassen die Aktie abstürzen/Bankchef Rampl kündigt Beteiligung bei Übernahmen an

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München (nad). Die HypoVereinsbank (HVB) will bei der bevorstehenden Konsolidierung der deutschen Bankenlandschaft eine aktive Rolle spielen. Die Möglichkeit einer inländischen Fusion, über die in Branchenkreisen seit geraumer Zeit spekuliert wird, bezweifelte Dieter Rampl, Chef der zweitgrößten deutschen Bank aber am Donnerstag. Auf der Hauptversammlung in München sagte er, bei der Konsolidierung sei „nicht hektischer Aktionismus, sondern vorausschauendes, wertorientiertes Kalkül gefragt.“ Eine inländische Konstellation brächte vermutlich vor allem Kosteneinsparungen, berge aber auch unübersehbare Risiken bei Erträgen und Krediten, sagte Rampl.

Commerzbank-Chef Klaus-Peter Müller hatte erst kürzlich in einem Interview gesagt, er könne sich eine Fusion seines Instituts mit der HVB noch in diesem Jahr vorstellen. Als Alternative zu einer innerdeutschen Fusion nannte Rampl die Option der Übernahme deutscher Banken durch Auslandsinstitute. Dabei wäre Rampls Ansicht nach aber „die Rolle deutscher Banken als Juniorpartner programmiert“.

Im Gegensatz zur Commerzbank, die im ersten Quartal ein Nettoergebnis von 254 Millionen Euro erzielt hatte, startete die HVB auffallend schwach ins neue Geschäftsjahr. Das Ergebnis vor Steuern betrug 199 Millionen Euro, der Nettogewinn 53 Millionen Euro. Im Vergleich zum Vorjahr, als die im Umbau begriffene Bank ein Minus von 25 Millionen Euro im Auftaktquartal verzeichnete, ist das zwar eine deutliche Verbesserung. Angesichts der abgeschlossenen Umstrukturierung der HVB hatten Analysten allerdings im Schnitt mit einem Vorsteuerergebnis von 370 Millionen Euro und mit einem Gewinn von 185 Millionen Euro gerechnet. Zudem sank der wichtigste Ertragsposten, der Zinsüberschuss, um 3,7 Prozent. Die Kreditrisikovorsorge konnte die HVB dagegen planmäßig um 90 Millionen auf 485 Millionen Euro senken.

„Der Geschäftsverlauf lag weitgehend im Rahmen unserer ambitionierten Ziele“, sagte Rampl. Analysten reagierten dagegen enttäuscht: „Während andere Banken im Auftaktquartal Rekorde einfahren, schaffen es die Münchener nicht“, sagte Metehan Sen vom Bankhaus Sal. Oppenheim. Die HVB-Aktie stürzte am Donnerstag um 9,76 Prozent auf 14,52 Euro und war der größte Verlierer im Dax. Die HVB hatte das abgelaufene Jahr auf Grund schwacher Geschäfte und enormer Abschreibungen auf Wertpapiere mit einem Rekordverlust von 2,6 Milliarden Euro abgeschlossen.

Trotz des schwachen Quartalsergebnisses hält die HVB an ihren Ergebniszielen für 2004 fest. Demnach soll das Betriebsergebnis von 900 Millionen Euro im vergangenen Jahr auf 1,4 bis 1,7 Milliarden Euro steigen. Ihre Kreditvorsorge will die HVB um weitere 300 Millionen Euro verringern. Zudem will die HVB ihre Beteiligung an der Münchener Rück von knapp zehn mittelfristig auf fünf Prozent abbauen. „Strategisch sind wir sauber aufgestellt“, betonte Rampl. Mit einer Kapitalerhöhung über drei Milliarden Euro hatte die HVB Anfang des Jahres ihre Kapitalbasis gestärkt. Im vergangenen Jahr hatte die HVB im Zuge des Konzernumbaus zahlreiche Beteiligungen abgestoßen, 25 Prozent der Tochter Bank Austria an die Börse gebracht und das gewerbliche Immobilienfinanzierungs-Geschäft in die Hypo Real Estate ausgegliedert.

Auf der Hauptversammlung erntete Rampl viel Lob für seinen Konzernumbau. Unter Beschuss stand dagegen der frühere Bank- und jetzige Aufsichtsratschef Albrecht Schmidt. „Gehen Sie in die Wüste und tun Sie Buße. Ihre Zeit ist abgelaufen“, sagte ein Kleinaktionär unter dem Beifall von 4700 Anteilseignern. Schmidt habe „maßgeblich den Untergang des Unternehmens verursacht und sollte deshalb nicht mehr im Aufsichtsrat vertreten sein“, sagte ein anderer Aktionär. Bei der Wahl der Aufsichtsräte verpassten die Aktionäre Schmidt einen Denkzettel: Er erhielt nur 97,3 Prozent der Stimmen, die anderen Mitglieder des Gremiums brachten es auf 99,8 Prozent. Das Münchener Landgericht hatte eine Neuwahl angeordnet, weil im vergangenen Jahr ein Einspruch eines Aktionärs nicht berücksichtigt worden war.

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