Wirtschaft : Hypo-Vereinsbank erwartet weitere Fusionen

Sinnvollen Konstellationen wollen sich die Münchener nicht verschließen – Im Kerngeschäft geht es bergauf

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München (cbu/HB/dpa). HypoVereinsbank-Chef Dieter Rampl hält eine Fusion oder Übernahme des zweitgrößten deutschen Kreditinstituts nicht grundsätzlich für ausgeschlossen. Es werde zu weiteren Bankenzusammenschlüssen und Übernahmen in Europa kommen, erklärte Rampl in einem am Donnerstag veröffentlichten Aktionärsbrief. Am größten sei der Nachholbedarf noch immer in Deutschland. Wie die Hypo-Vereinsbank aus diesem Prozess hervorgehen will, ließ der HVB-Chef offen. „Wir werden uns sinnvollen Konstellationen im Sinne unserer Kunden, Aktionäre und Mitarbeiter nicht verschließen“, schreibt Rampl.

Spekuliert wird immer wieder über ein Zusammengehen mit der Commerzbank oder mit einem Partner aus dem Ausland. Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann hatte Anfang der Woche eine Fusion für sein Institut ausgeschlossen. Die HVB-Aktie lag zum Börsenschluss mit 1,6 Prozent im Minus bei 16,73 Euro .

Die Hypo-Vereinsbank (HVB), die Ende des Monats eine milliardenschwere Kapitalerhöhung am Markt platzieren will, gibt sich demonstrativ zuversichtlich. „Wir sind gut ins Jahr 2004 gestartet“, sagte am Donnerstag HVB-Finanzvorstand Wolfgang Sprißler bei der Vorlage der Bilanz für 2003. Die Entwicklung im Januar und Februar liege voll im Plan. Für 2004 strebt der Münchener Bankkonzern eine deutliche Verbesserung des Betriebsergebnisses auf 1,4 bis 1,7 Milliarden Euro an.

Vorstandschef Dieter Rampl und Sprißler absolvieren derzeit eine Werbetour bei Investoren in Frankfurt, London und Edinburgh. Aus Finanzkreisen verlautete, es gebe „reges Interesse“ an der angekündigten Kapitalerhöhung von mindestens drei Milliarden Euro. Ein Bankenkonsortium hat einen Preis von 14 Euro garantiert. Der endgültige Bezugspreis soll am 18. März veröffentlicht werden, der Verkaufsprospekt am 22. März. Die Bezugsfrist läuft dann vom 23. März bis zum 5. April. Die Wiener AVZ-Stiftung prüft nach Branchenkreisen derzeit, möglicherweise doch die HVB-Kapitalerhöhung zumindest teilweise mitzumachen. Eine Entscheidung gebe es aber noch nicht, hieß es.

Mit der Bilanz veröffentlichte Sprißler am Donnerstag auch die Ergebnisse der einzelnen Geschäftsbereiche. Im wichtigen Deutschland-Geschäft fuhr der Konzern danach erneut ein hohes operatives Minus ein. In der Bilanz steht zwar ein positives Betriebsergebnis von 278 Millionen Euro. Darin enthalten sind aber die Gewinne aus den Verkäufen der Norisbank und der Schweizer Bank von Ernst, die zusammen 468 Millionen Euro ausmachen. Ohne diese Sondereffekte ergibt sich ein Vorsteuerverlust von 224 Millionen Euro. Im Jahr 2002 lag das Minus gar bei 947 Millionen Euro. Damals wurden allerdings auch hohe Sanierungskosten und eine sehr hohe Risikovorsorge für das Kreditgeschäft eingestellt. Insgesamt hat die Hypo-Vereinsbank in den vergangenen drei Jahren mehr als 11000 Stellen gestrichen, den größten Teil in Deutschland. Sprißler sprach aber trotzdem von einer Trendwende im Geschäftsfeld Deutschland.

Erfolge in Deutschland

Für das laufende Jahr versprach er für Deutschland „spürbar schwarze Zahlen“. Nach Steuern sei aber erneut ein Verlust möglich. Das Geschäft im Inland ist für die Hypo-Vereinsbank schon lange ein Sorgenkind. Derzeit betreut HVB-Vorstand Michael Mendel das Geschäftsfeld. Er ist bereits der vierte Banker innerhalb weniger Jahre, der sich am Turnaround versucht. Vor ihm betreuten Stephan Schüller, Eberhard Rauch und Stefan Jentzsch den Bereich.

Die anderen beiden HVB-Bereiche liefern dagegen ansehnliche Gewinne. Der Bereich Corporate & Markets erwirtschaftete ein Betriebsergebnis von mehr einer Milliarde Euro und damit eine Eigenkapitalrendite von etwa 25 Prozent. Das Geschäftsfeld Österreich und Osteuropa meldet ein Ergebnis von 453 Millionen Euro. Der Konzern insgesamt erreicht zwar für 2003 ein Betriebsergebnis von 1,1 (Vorjahr 0,334) Milliarden Euro, unterm Strich wird aber wegen der hohen Wertberichtigungen auf die Beteiligungen an der Münchner Rück und der Allianz sowie wegen Abschreibungen auf die Bank Austria ein Minus von 2,44 Milliarden Euro ausgewiesen.

Rampel bezeichnete dies als „bitteren Wermutstropfen“. Allerdings stehe nun eine „neue verschlankte HVB Group mit eindeutiger Ausrichtung auf das Geschäft mit Privat- und Firmenkunden in Europa“ da. Im Kerngeschäft sei die Bank klar auf dem richtigen Weg. Die HVB sei durchaus offen für weitere Zukäufe im Osteuropa-Geschäft. Zwar seien die großen Privatisierungen in den Ländern Zentral- und Osteuropas abgeschlossen. „Es können sich aber schon wieder Veränderungen ergeben, wo wir dann auf der Matte stehen“, sagte er.

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