Wirtschaft : Hypo-Vereinsbank muss sich korrigieren

Gewinn fällt niedriger als geplant aus/Auslagerungen ins Ausland und Stellenabbau werden geprüft

Nicole Huss

München - Die Bayerische Hypo-Vereinsbank (HVB) kann nach einem schwachen dritten Quartal ihre Ergebnisprognose für das laufende Jahr nicht halten und muss 2005 ein umfangreiches Programm zur Restrukturierung auf den Weg bringen. Die zweitgrößte deutsche Bank schloss am Donnerstag auch einen Personalabbau und die Auslagerung von Geschäftsprozessen ins Ausland nicht aus. Die HVB-Aktie stieg um 1,63 Prozent. Analysten erklärten dies damit, dass die Bank die Märkte bereits auf die negativen Nachrichten vorbereitet hatte.

„Wir müssen damit rechnen, unsere ambitionierten Zielbandbreiten für das Gesamtjahr 2004 nur teilweise erreichen zu können“, kündigte Bankchef Dieter Rampl in München an. Er machte dafür vor allem das schlechte Handelsergebnis verantwortlich, das die nach wie vor angespannte Situation an den Kapitalmärkten widerspiegele. Das Handelsergebnis sank in den ersten neun Monaten im Vergleich zum Vorjahr um 21,5 Prozent, wobei der Wert von Quartal zu Quartal weiter abnahm. Für den weiteren Jahresverlauf sei keine deutliche Verbesserung der gesamtwirtschaftlichen Rahmenbedingungen zu erwarten, sagte Rampl.

Auf ein neues Ergebnisziel für 2004 wollte er sich nicht festlegen. Rampl kündigte jedoch an, beim Betriebsergebnis werde die HVB 2004 den Vorjahreswert von 896 Millionen Euro deutlich übertreffen.Ursprünglich hatte die Bank einen Betriebsgewinn zwischen 1,4 und 1,7 Milliarden Euro in Aussicht gestellt. Auch eine Dividende sollen die Aktionäre erhalten. Über die Höhe der Ausschüttung sei aber noch nicht entschieden, sagte Finanzvorstand Wolfgang Sprißler.

Im dritten Quartal schnitt die HVB schlecht ab: Das Betriebsergebnis sank um 110 Millionen Euro auf 249 Millionen Euro. Der Gewinn nahm von 155 auf sechs Millionen Euro ab und lag damit sogar noch unter den pessimistischsten Analysten-Schätzungen. Das Handelsergebnis fiel im Quartalsvergleich von 182 auf 111 Millionen Euro. Zins- und Provisionsüberschuss blieben dagegen stabil. Rampl zufolge zeigen diese Werte, dass die HVB ihre „Ergebnisqualität weiter erhöht“ habe.

Um die Ertragskraft der Bank zu steigern, sind nach Angaben von Rampl jedoch weitere Anstrengungen nötig. Er kündigte an, die HVB arbeite an einem Programm, mit dem die Kostenbasis verbessert und die internen Abläufe effizienter gemacht werden sollten. „Es geht dabei aber nicht um kurzfristige Kostensenkungen“, betonte er. Diskutiert werde auch die Verlagerung von Arbeitsprozessen ins Ausland. Einen Stellenabbau schloss Rampl nicht aus. Details sollen Anfang 2005 bekannt gegeben werden.

Seit seinem Amtsantritt im Januar 2003 hat Rampl die Kosten bereits um 1,5 Milliarden Euro reduziert und konzernweit mehr als 11000 Stellen abgebaut. Während das Auslandsgeschäft gut läuft, stehen die größten Umstrukturierungen im Deutschlandgeschäft an, das im dritten Quartal einen Verlust von 21 Millionen Euro auswies. Hier belasten die HVB vor allem alte Risiken aus privaten Immobilien-Finanzierungen.

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