Wirtschaft : Hypo-Vereinsbank: Risikoanalysen für Aktien liegen im Trend

tjw

Kaufen oder Verkaufen - Anleger, die einzelne Aktien erwerben, nutzen dabei in der Regel Angaben über die Ertragschancen des Unternehmens. Die Hypo-Vereinsbank hat jetzt ein Bewertungsraster entwickelt, dass neben den Ertragschancen das spezielle, mit der Aktie verbundene Risiko in den Mittelpunkt stellt. Risiko-Analysen liegen im Trend. "Nach den Kurseinbrüchen am Neuen Markt macht es sich gut, wenn man solche Systeme anbietet", sagt Heiko Bienek, Analyst bei Independent Research. Die Banken bauen zurzeit ihre Systeme zur Risikobewertung aus. Ziel sei es, so Bienek, Kursentwicklungen kalkulierbarer und transparenter zu machen. "Jedes Haus entwickelt da ein eigenes System mit unterschiedlichen Schwerpunkten", so der Analyst. Den verschiedenen Modellen sei vor allem eines gemeinsam: Sie werden immer komplexer. "Für den institutionellen Anleger ist das nichts Neues", sagt Bienek, "für den Privatanleger, der eher aus dem Bauch heraus entscheidet, sind detaillierte Einstufungen sicher hilfreich". "Jeder Kunde hat eine eigene Risikovorstellung", ergänzt Eberhard Scholz, Senior Analyst im Bereich Equity Research bei der Hypo-Vereinsbank. In die Einstufung der Attraktivität eines Papiers sei der Risiko-Faktor der Anlage jedoch bisher zu wenig eingeflossen, meint Scholz. Um den Kunden seiner Risikobereitschaft entsprechende Werte anbieten zu können, hat die Hypo-Vereinsbank die einzelnen Aktienwerte fünf Gruppen zugeordnet. Künftig finden Privatkunden die einzelnen Papiere in einem Raster, dass sowohl die Kurschancen als auch die Risiken des Wertes festlegt. In der Gruppe 5 mit dem höchsten Risiko und überdurchschnittlichen Ertragschancen finden sich Titel wie Alcatel, EM.TV, United Internet oder Jenoptik. Gute Ertragsaussichten bei geringem Risiko für den eher konservatien Anleger hält nach Ansicht der Hypo-Vereinsbank-Analysten die Gruppe 1 mit Werten wie Bayer, Danone oder Heidelberger Druck bereit. Die fünf Klassen beschreiben zusammengenommen ein so genanntes "Aktien-Universum", das sich jeweils auf den Heimatmarkt der Werte bezieht. Das Kriterium bei der Einteilung ist das Währungsgebiet. Im Aktien-Himmel der Hypo-Vereinbank bewegen sich unter anderem die Aktien des Dow Jones Euro Stoxx 50, des Dax oder Nemax 50. Weitere "Universen" bilden die repräsentativen Indizes für Großbritannien, der Schweiz, Skandinavien, USA und Japan. Für die Risiko-Klassifizierung greifen die Analysten auf sechs Indikatoren zurück: "Wir glauben, dass alleine der Bezug auf die Volatilität nicht ausreicht", meint Scholz. Neben der Schwankungsbreite eines Wertes zählen auch das Kurs/Gewinn-Verhältnis (KGV), die Marktkapitalisierung und der Kurs-Trend.

Darüber hinaus fließen bei der Kategorisierung auch der so genannte "Beta-Faktor" und das "fundamentale Risiko" ein. Der Beta-Faktor misst die relative Reaktion einer einzelnen Aktie im Verhältnis zur Bewegung des Gesamtmarktes. Je schwächer sie auf den Gesamtmarkt reagiert, umso geringer ist der Beta-Faktor und umso kleiner ist das systematische Risiko der Aktie. Um auch aktuelle Trends in diese Berechnung einbeziehen zu können und das Modell weniger statisch zu halten, kombinieren die Hypo-Vereinsbank-Analysten den Beta-Faktor mit der Wechselbeziehung zwischen der Kursveränderung der einzelnen Aktie und den Veränderungen des Marktindexes. Das "fundamentale Risiko" stellt die einzige Risikogattung dar, in deren Beurteilung der "menschliche Faktor" einfließt. Der für eine spezielle Aktie zuständige Analyst verleiht auf Grund seiner Kenntnisse des Unternehmensumfelds dem Wert eine Kennziffer entsprechend der fünf Risiko-Klassen. Sein persönliches Urteil nimmt aber nur einen geringen Raum ein. Denkbar seien aber auch Situationen, in denen man sich wieder auf das menschliche Urteil verlassen müsse: "Wenn plötzlich schlechte Nachrichten aufkommen, werden wir uns nicht auf Berechnungen verlassen, sondern ad hoc eine persönliche Einschätzung vornehmen", sagt Scholz.

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