Wirtschaft : Hypo-Vereinsbank schlägt drastischen Sparkurs ein Mitarbeiter sollen deutliche Abstriche machen

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München (nad). Die Hypo-Vereinsbank, die im zweiten Quartal erstmals in die roten Zahlen gerutscht ist, schlägt einen drastischen Sparkurs ein. In einem zweiseitigen Brief hat Bankchef Albrecht Schmidt alle leitenden Angestellten angewiesen, „die Kosten weiter zu senken, alles zu straffen, was noch nicht straff genug ist und jeden Cent, für den es keinen raschen Return gibt, einzusparen“. Nach Schmidt schleppe die zweitgrößte deutsche Bank nach wie vor Fettpolster mit sich herum. Daher habe der Vorstand beschlossen, „bei den Kosten noch massiver auf die Bremse zu treten und bei allem, was den Beziehungen zu den Kunden dient, Gas zu geben“.

Im Zuge des verschärften Sparprogramms sollen unter anderem verlustbringende Töchter verkauft oder geschlossen und eine Haushaltssperre verhängt werden. Wie aus dem Schreiben hervorgeht, will die Hypo-Vereinsbank ihre unrentablen Tochtergesellschaften schon bis zum Jahresende abstoßen. Die Verlustbringer könnten „entweder verkauft, geschlossen oder abgewickelt“ werden. Analysten zufolge könnte dies vor allem den Online-Broker DAB Bank betreffen, der rote Zahlen schreibt und über dessen Zukunft schon öfter spekuliert worden war.

Keine Flüge in der ersten Klasse mehr

Auch die Mitarbeiter der Hypo-Vereinsbank müssen ab sofort deutliche Abstriche machen: So sind Flüge in der ersten Klasse in Zukunft tabu. Handyrechnungen über 50 Euro müssen von Vorgesetzten unterzeichnet werden. Neue Handys und Computer werden vorübergehend erst gar nicht angeschafft. Alle Ausgaben über 5000 Euro müssen künftig vom Vorstand genehmigt werden. Die Konzern-Aufsichtsratsmandate sollen nicht mehr vergütet und das Bonus-Modell überarbeitet werden. Ein Projektteam soll den Sparkurs strengstens überwachen. Wer die Kostenziele nicht einhält, hat dem Schreiben zufolge mit Konsequenzen zu rechnen. „Das Ziel für den Gesamtkonzern ist, bis zum Jahresende 2002 unser Kostenziel von 7,6 Milliarden Euro deutlich zu unterschreiten und den Ertrag je Kunde deutlich zu steigern“, schrieb Schmidt.

Die Hypo-Vereinsbank hatte im zweiten Quartal einen Betriebsverlust von 89 Millionen Euro eingefahren – nach einem operativen Gewinn von 330 Millionen Euro im ersten Quartal. Schmidt deutete an, dass die Bank vor allem wegen höherer Kreditrisiken ihr Ergebnisziel für dieses Jahr nicht erreichen wird. „Unsere Zahlen sind im Bereich des gerade noch Tolerablen geblieben“, schrieb Schmidt jetzt an die leitenden Angestellten. Dennoch ist der Bankchef zuversichtlich, „am Ende eine von zwei Großbanken zu sein, die den Umbruch meistern“.

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