Wirtschaft : Hypo-Vereinsbank vorsichtig optimistisch

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Mit Kostensenkung und Stellenabbau will die Hypo-Vereinsbank (HVB) AG, München, einem erneut drohenden schlechten Bankenjahr trotzen. "Wir wollen uns eine eigene Konjunktur schaffen," sagte HVB-Chef Albrecht Schmidt zur Bilanzvorlage in München. Im Gegensatz zu anderen Wirtschaftsexperten rechnet er nur mit einer schwachen Erholung der Konjunktur in diesem Jahr.

In Folge des Ergebniseinbruchs gab die Eigenkapitalrendite von 8,9 Prozent auf 6,5 Prozent nach. Damit hat die zweitgrößte Privatbank Deutschlands ihre urspünglichen Ertragsziele von zehn bis zwölf Prozent Rendite für 2001 klar verfehlt. Dennoch will die HVB ihre Eigenkapitalrendite vor Steuern wieder auf neun Prozent heben. Kräftiger steigende Erträge erwartet sie allerdings erst wieder 2003.

Für den Gewinnschwund im Vorjahr verantwortlich war vor allem das Privatkundengeschäft, das vor Steuern fast 300 Millionen Euro Verlust verbuchen musste, nach 759 Millionen Euro Gewinn im Jahr zuvor. Angesichts eines Umbaus im Filialgeschäft verbessere sich die Lage. Die Sparte werde 2002 ihre Erträge verbessern. Ob sie in die schwarzen Zahlen kommt, wollte Schmidt nicht sagen. Das gilt auch für die konzerneigene Direktbank DAB, die allein 2001 für 229 Millionen Euro Verlust gesorgt hatte.

Gelitten hat die HVB 2001 wie die gesamte Branche auch unter dem Einbruch der Konjunktur und der Börsen. Die deshalb um knapp ein Fünftel auf 2,1 Milliarden Euro erhöhte Risikovorsorge für wacklige Kredite werde angesichts der schlechten Konjunkturaussichten auf diesem Niveau bleiben, sagte Schmidt. Ob darin auch aktuelle Probleme wie der Baukonzern Holzmann oder die Kirch-Mediengruppe enthalten sind wollte der Banker nicht sagen. Schmidt betonte, die HVB halte ihr Kaufangebot für die Anteile der Kirch-Gruppe am Axel-Springer-Verlag aufrecht. Die Bank bietet rund 1,1 Milliarden Euro für das Aktienpaket.

Hinsichtlich Zukäufen im Finanzsektor zeigte er sich eher zurückhaltend. Wenn sich in Europa "ein Fenster öffnet", werde die HVB zugreifen. Konkrete Pläne dazu gebe es nicht. Veräußern will die HVB dagegen Teile ihres Beteiligungsbesitzes, um damit den eigenen Konzernumbau zu finanzieren. Verkaufenwill Schmidt wie schon im Vorjahr vor allem Allianz-Aktien. Insgesamt gehe es um ein Volumen von "spürbar unter 500 Millionen Euro", sagte HVB-Finanzchef Wolfgang Sprißler.

Bis 2004 wollen sich die Bayern wie bereits angekündigt von mehr als 9000 ihrer Ende 2001 konzernweit noch knapp 70 000 Stellen trennen. Gut 3300 Arbeitsplätze wurden schon im Vorjahr abgebaut. Trotz laufender Personalreduzierung sieht Schmidt den "Innenausbau" seiner Bank abgeschlossen. Auch die jüngste Übernahme der Bank Austria sei verarbeitet. Insgesamt habe sich die HVB 2001 trotz eines Einbruchs im Jahresüberschuss um gut 38 Prozent auf noch 967 Millionen Euro respektabel geschlagen, sagte Schmidt.

Schmidts vorsichtiger Optimismus konnten die Anleger nicht begeistern. Die HVB-Aktie verlor bis zum Nachmittag gegen den Trend gut ein Prozent auf 38,67 Euro. Schon im Vorjahr war das Papier nach den Terrorakten in den USA stark unter Druck geraten. Erst in den letzten Wochen konnte es sich leicht erholen. Die Aktionäre können aber trotz des Gewinneinbruchs mit einer unveränderten Dividende von 85 Cent je Stamm- und 93 Cent je Vorzugsaktie rechnen.

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