Wirtschaft : Hypo-Vereinsbank wird radikal umgebaut

Neuer Vorstandschef Rampl will sich auf Privat- und Firmenkundenkonzentrieren/Vorstände werden ausgetauscht

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München (nad). Der neue Chef der HypoVereinsbank (HVB), Dieter Rampl, räumt beim zweitgrößten deutschen Kreditinstitut auf. Nach einer langen Aufsichtsratssitzung stellte die Bank am Mittwochabend radikale Umbaupläne vor. Rampl zufolge werden im Zuge der „Transformation 2003“ sowohl die Konzernstruktur als auch das Führungsgremium neu aufgestellt. Das Münchner Institut soll sich künftig auf das Bankengeschäft mit europäischen Privat- und Firmenkunden konzentrieren. Die Führung wird in die Bereiche Deutschland, Österreich und Osteuropa gegliedert.

Um unabhängiger von der Konjunktur zu werden, hat der Konzernvorstand weiterhin beschlossen, die Kreditrisiken drastisch zu reduzieren. Die HVB hat mit fast 450 Milliarden Euro das größte Kreditbuch aller Banken in Europa und litt daher besonders stark unter der Insolvenzwelle des vergangenen Jahres. Die HVB war von nahezu allen großen Konzernpleiten als Kreditgeber betroffen – von Kirch über Fairchild Dornier bis Holzmann. Um das Ergebnis zu steigern, sollen die Risiko-Aktiva nun um 100 Milliarden Euro gesenkt werden. Allein rund 57 Milliarden Euro sollen durch die für das zweite Halbjahr geplante Abspaltung des gewerblichen Immobiliengeschäfts aus den Büchern genommen werden. Die übrigen 45 Milliarden Euro will Rampl durch Verkäufe von Beteiligungen und Portfolios sowie die Verbriefung von Forderungen erzielen.

Mit Verkäufen wolle die Bank nicht warten, bis sich die Lage an den Kapitalmärkten bessere. „Wir haben keine Zeit zu verlieren“, stellte Rampl klar. Welche Beteiligungen auf der Verkaufsliste stehen, sagte er allerdings nicht. In Branchenkreisen wird über den Verkauf der regionalen Banktöchter Noris-Bank und Vereins- und Westbank spekuliert. Auch eine Verringerung des Anteils an der Münchener Rück (13 Prozent) und an der Allianz (unter fünf Prozent) schließt die HVB nicht aus. „Es gibt keine heiligen Kühe“, sagte Rampl dazu.

Der Konzernchef rechnet damit, dass die Sparmaßnahmen die Konzernrechnung deutlich entlasten. „In diesem Jahr wollen wir eine nachhaltige Verbesserung unserer operativen Ergebnisse erreichen“, sagte er. 2002 steckte das Kreditinstitut tief in der Krise: Allein im dritten Quartal des Geschäftsjahres hatte die HVB einen operativen Verlust von 684 Millionen Euro verbucht – nach einem Gewinn von 245 Millionen Euro im gleichen Vorjahreszeitraum.

Bei ihrer Neuausrichtung will die HVB ohne eine Kapitalerhöhung auskommen. Die Kernkapitalquote soll in diesem Jahr dennoch von 5,7 auf bis zu sieben Prozent steigen. Im Zuge des Konzernumbaus stehen auch personelle Veränderungen an: Neu in das Führungsgremium rückt Michael Mendel auf, der sich künftig allein um das Risiko-Management kümmern soll. Mit diesem Schritt macht Rampl klar, welchen Stellenwert er der Verbesserung der Risiko-Kontrolle einräumt. Stefan Jentzsch, der bisher für das Risikomanagement mitverantwortlich war, ist in Zukunft nur noch für das Deutschlandgeschäft zuständig. Hoffnungsträger Stephan Bub, der noch im letzten Herbst als Kandidat für den Vorstandsposten gehandelt wurde, wird dagegen aus dem Vorstand ausscheiden und sich mit einem Teil des HVB-Geschäfts selbstständig machen. Gehen muss auch Personalvorstand Paul Siebertz, dessen Ressort Rampl künftig zur Chefsache machen will.

Dort wird es für Rampl viel zu tun geben: Ein Runder Tisch prüft Möglichkeiten, um Personal- und Sachkosten zu reduzieren. In Unternehmenskreisen wird damit gerechnet, dass Rampl in absehbarer Zeit noch einmal mehrere tausend Stellen streichen wird. Seit Beginn der Branchenkrise hatte die Bank bereits den Abbau von 9100 der knapp 66800 Arbeitsplätze angekündigt. Angesichts des Konzernumbaus denkt die HVB allen hartnäckigen Gerüchten zum Trotz nicht an eine Fusion mit der Commerzbank. „Das steht nicht auf der Agenda“, sagte Rampl.

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