Wirtschaft : Hypo-Vereinsbank: Zweitgrößte Bank in Deutschland enttäuscht

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Die Hypo-Vereinsbank (HVB), am Volumen gemessen die zweitgrößte Bank in Deutschland, will das gewerbliche Immobiliengeschäft grundlegend umbauen. "Auf der Baustelle Hypo-Vereinsbank geht es jetzt darum, den Innenausbau fertigzustellen", sagte Konzernchef Albrecht Schmidt gestern in München. Dabei liege das Hauptaugenmerk auf der Immobilienfinanzierung, dem traditionell starken Standbein des Konzerns, sowie in der Vermögensverwaltung.

Geplant ist nach den Worten Schmidts die Bündelung der gewerblichen ImmobilienAktivitäten im Konzern, wobei auch an einer "Optimierung der Betriebsgrößen" gearbeitet werde. Ob es dabei zu einer Zusammenlegung der inzwischen zehn eigenständigen Hypothekenbanken im Konzern (fünf im Inland, fünf im Ausland) kommt, ließ Schmidt offen.

Im professionellen Individualgeschäft wolle die Bank künftig auf "Spezialisierung und Expertise" setzen, im Massengeschäft auf Kostensenkung. Gedacht ist nach den Worten Schmidts an eine stärkere Kombination von Immobilienfinanzierung und Investmentbank-Aktivitäten. In diesem Zusammenhang wurde auch Claus Nolting in den Vorstand berufen, der bis zum Frühjahr 2001 die neue Strategie umsetzen soll. Bisher verantwortete Paul Siebertz das Geschäft, der sich jetzt nur noch um den Bereich "Personal" kümmern soll.

Hintergrund der Umstrukturierung ist die sehr schwache Performance der gewerblichen Immobilienfinanzierung. In den ersten neun Monaten erwirtschaftete der Bereich eine Eigenkapitalrendite von lediglich 5,2 Prozent, im Vorjahr waren es noch knapp zehn Prozent. Schmidt bezeichnete die Rentabilität als "schlichtweg nicht akzeptabel". Künftig würden neue Ziele gesetzt, die "mit Sicherheit nicht unter 15 Prozent liegen werden", betonte der Konzernchef. Die Bank will bis 2003 eine Rentabilität im Konzern von 15 Prozent erreichen. Mit einem Hypotheken-Kreditvolumen von 163 Milliarden Euro sieht sich der Konzern als "größter Immobilienfinanzierer Europas".

Die am Donnerstag von Schmidt vorgelegten Konzernzahlen für die ersten neun Monate 2000 wurde von der Börse mit Enttäuschung aufgenommen. Ein Teil der Analysten hatte bessere Zahlen erwartet. Finanzvorstand Wolfgang Sprißler betonte jedoch, die Ergebnisse würden voll im Plan liegen. Die HVB-Aktie rutschte am Donnerstag zunächst deutlich auf 61,30 Euro ab und lag auch am Nachmittag im Minus. Per Ende September stieg das Betriebsergebnis auf 1,47 Milliarden Euro. Dabei verbesserten sich die operativen Erträge um zehn Prozent auf knapp sechs Milliarden Euro. Die Risikovorsorge wurde drastisch auf 787 Millionen Euro reduziert, im Vorjahreszeitraum standen noch 1,85 Milliarden Euro zu Buche. 1999 hatte die HVB nachträglich das Immobilienportfolio neu bewertet und die Risikovorsorge um rund eine Milliarden Euro auf 2,5 Milliarden Euro erhöht.

Sprißler betonte, man sei bei der Risikovorsorge im Plan. Hochgerechnet auf Basis der ersten drei Quartale ergebe sich ein Volumen von 1,05 Milliarden Euro. Im vierten Quartal könnte sich noch ein positiver Effekt aus dem Finanzanlageergebnis ergeben.

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