Wirtschaft : HypoVereinsbank ändert die Strategie

MÜNCHEN (tmh).Die Bayerische HypoVereinsbank (BHV) AG, München, zieht sich nach schlechten Erfahrungen aus Teilen der Immobilienfinanzierung und lokalen Kreditgeschäften in Südostasien sowie Südamerika zurück.Die zweitgrößte Bank Deutschlands sei in den betreffenden Feldern "nicht auf die Butterseite gefallen," begründete BHV-Chef Albrecht Schmidt in München bei der Vorstellung der vorläufigen Bilanz 1998 den Strategiewechsel.Über das betroffene Kreditvolumen machte er trotz Nachfragen keine Angaben und verwies auf die endgültige Bilanzvorlage Ende März.Im Immobilienbereich will die BHV Bauträgerfinanzierungen nur noch "sehr selektiv hereinnehmen," kündigte Schmidt an.Grundstücksfinanzierungen im Rahmen sogenannter Developergeschäfte habe man bereits völlig eingestellt.In diesen Sparten muß das Institut derzeit Immobilienpleiten verkraften, die jüngst zu Turbulenzen im Management und 3,5 Mrd.DM außerordentlicher Wertberichtigung geführt haben.Neben dieser Summe wurde 1998 auch die "normale" Risikovorsorge um 500 Mill.DM erhöht.Sie stieg im Konzern um ein Fünftel auf 3,2 Mrd.DM.Wieviel davon auf die umstrittenen Immobiliengeschäfte entfällt, sagte Schmidt nicht.

Spekulationen, die auf den Fusionspartner, die Ex-Hypobank, zurückgehenden Altlasten würden sich auf elf Mrd.DM summieren, wies der Bankier als "abstruse Zahl" zurück.Der inzwischen erreichte Risikoaufwand sei zwar "korrekturbedürftig".Die Fusion mit der Hypobank war und sei aber richtig.Obwohl Schmidt die Immobilienpleite jetzt bilanziell als verkraftet ansieht, sind die damit verbundenen Probleme nicht vom Tisch.So ermittelt in diesem Zusammenhang immer noch die Staatsanwaltschaft."Wir hoffen sehr, daß keine strafrechtlich relevanten Tatbestände auftauchen," sagte der Bankenchef, der sich energisch dagegen verwahrte, BHV-Banker der Bilanzfälschung zu verdächtigen.Er zeigte sich optimistisch, den im Zuge der Pleite zuletzt stark gefallenen Kurs der BHV-Aktie demnächst wieder steigern zu können.Den BHV-Rückzugsgefechten auf einigen Geschäftsfeldern gegenüber steht im Bereich Vermögensverwaltung eine neue Wachtumsstrategie.Nach dem soeben beschlossenen Verkauf ihrer Anteile an der Investmentgesellschaft Adig an die Commerzbank wollen die Bayern bis 2003 ihr Geschäftsvolumen im Asset Management von heute 172 Mrd.DM auf 500 bis 600 Mrd.DM ausbauen.Dazu bündeln die Münchner den gesamten Geschäftsbereich ab April unter dem Dach einer neuen Holding.Speziell in dieser Sparte seien auch Zukäufe möglich.Bei der Vermögensverwaltung für Privatkunden gilt die BHV im internationalen Vergleich noch als zu klein.Spekulationen, der Adig-Verkauf habe der BHV rund 600 Mill.DM gebracht, kommentierte Schmidt nicht.Insgesamt ist der Manager mit dem Vorjahr nicht zufrieden."Ich hätte mir ein besseres Ergebnis gewünscht." Um Sondereffekte bereinigt sind die BHV-Profite im Vorjahr gleichgeblieben.Rund 2,4 Mrd.DM Fusionsgewinne haben den Jahresüberschuß 1998 allerdings auf 3,8 Mrd.DM mehr als verdoppelt.Dagegen standen die außerordentliche Belastungen aus Immobiliengeschäften.Die Dividende soll bei 1,60 DM je Stammaktie und 1,75 DM für die Vorzüge stagnieren.Auch wegen einer Umstellung auf internationale Bilanzregeln sind die BHV-Jahreszahlen für 1998 kaum mit Vorjahren vergleichbar.Die Konzern-Bilanzsumme stieg um gut acht Prozent auf 901 Mrd.DM.Durch die Fusion mit der Hypobank wurden 1998 im Konzern 1100 Stellen gestrichen.Dieser Abbau wurde aber wachstumsbedingt mehr als ausgeglichen, was per saldo zu einem Aufbau von 1400 Stellen auf konzernweit 39 500 Mitarbeiter führte.

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