Wirtschaft : HypoVereinsbank will Wogen glätten

THOMAS MAGENHEIM

MÜNCHEN .Bei der Bayerischen HypoVereinsbank (HBV) in München ist man offenbar bemüht, den Scherbenhaufen nicht noch größer werden zu lassen.Der Streit um den drohenden Verlust von Milliardensummen im Zusammenhang mit Immobiliengeschäften der ehemaligen Bayerischen Hypotheken- und Wechsel-Bank AG wurde am Sonntag (wie berichtet) vom Aufsichtsrat mit dem Hinweis auf einen Wechsel der Bewertungsmethoden mutmaßlich beendet.Die beiden großen Kontrahenten, HVB-Chef Albrecht Schmidt und HVB-Aufsichtsrat Eberhard Martini gehen nach diesem Kompromiß aus der Affaire vordergründig unbeschadet hervor.

Dem Aufsichtsrat nahestehende Kreise berichteten, zum einen habe der Aufsichtsrat Schmidt und dem gesamten HVB-Vorstand inklusive aller Mitglieder aus der früheren Hypo-Bank "volles Vertrauen" ausgesprochen.Zum anderen sei damit auch der ehemalige Hypo-Chef Eberhard Martini "aus der Schußlinie" genommen und werde nicht als Aufsichtsrat zurücktreten.Andernfalls hätte Martini nicht alle Beschlüsse mitgetragen.Trotz verbaler "Überreaktionen" Schmidts und Martinis werde es über eine beschlossene Neuverteilung der Zuständigkeiten im HVB-Vorstand keine personellen Konsequenzen mehr geben.Die hatte Schmidt noch vor kurzem bei der Aufdeckung eines Risikobedarfs von 3,5 Mrd.DM bei der HypoVereinsbank wegen wackliger Immobiliengeschäfte der ehemaligen Hypo-Bank angekündigt.

Doch die Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre gibt sich damit nicht zufrieden und forderte erneut externe Prüfer.Das Votum des Aufsichtsrat sei "mehr als enttäuschend".Die Schutzgemeinschaft kritisierte, die Erklärung des Aufsichtsrates sehe nach dem Versuch aus, die Angelegenheit unter den Teppich zu kehren.Es müßte noch immer nach der Rolle der Wirtschaftsprüfer im Bewertungsprozeß der Banken gefragt werden.Auch sei nicht zu erklären, warum Martini nicht seinen Hut nehme.

Köpfe sind aber offenbar an anderer Stelle gerollt.Branchenkreise berichteten, zwei Geschäftsführer früherer Hypo-Tochtergesellschaften seien inzwischen ausgewechselt worden.

Bankenanalysten raten der HVB nun, den Sonderwertberichtigungsbedarf wie geplant schnell über stille Reserven glatt zu stellen.Danach müsse das Institut geordnet zur Tagesordnung übergehen, denn die Märkte haßten nichts mehr als Unsicherheiten.

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