Wirtschaft : IAA: Das Ende der fetten Jahre

Carsten Brönstrup

Auf der IAA herrschte über die Zukunft meistenteils Optimismus - nur Audi-Chef Paefgen gab sich in seinen Prognosen für die Branche vorsichtiger. Angesichts des anhaltend bescheidenden Wirtschaftswachstums sei es "sehr fraglich, ob die deutsche Autoindustrie ihre Sonderkonjunktur der vergangenen Jahre fortsetzen kann", warnte er. Tatsächlich wundern sich Beobachter über die vollmundigen Vorhersagen der Autobauer - denn in allen Teilen der Welt ist die konjunkturelle Lage bestenfalls mäßig. Das für den Absatz langlebiger Konsumgüter wie Autos so wichtige Verbrauchervertrauen ist in den USA jüngst eingeknickt, Japan steckt ohnehin in der Rezession, und auch der wichtige deutsche Inlandsmarkt schwächelt. Das hat die Umsätze im deutschen Kraftfahrzeughandel im ersten Halbjahr 2001 erneut gedrückt. Die Erlöse gingen binnen Jahresfrist um zwei Prozent zurück, wie das Statistische Bundesamt am Dienstag in Wiesbaden mitteilte. Bereits im vergangenen Jahr waren die Umsätze um 4,4 Prozent geschrumpft.

2002 wird es vermutlich eher schlechter. "Einen sehr, sehr ruhigen europäischen Markt" erwartet der Branchenexperte Peter Brietsche von der GfK-Automobilforschung in Nürnberg. Arndt Ellinghorst, Auto-Analyst bei WestLB Panmure in Düsseldorf, hält einen Abschwung für wahrscheinlich. Um bis zu fünf Prozent werde der westeuropäische Automarkt 2002 zurückgehen, prognostizierte er. "Der Boden ist vermutlich erst 2003 erreicht", befürchtet er. Die USA würden bestenfalls stagnieren. Die Entwicklung dort lasse sich aber nur schwer vorhersagen. Auch von anderen Regionen gingen kaum Impulse aus - Lateinamerika leide weiterhin unter der Argentinien-Krise und Überkapazitäten, sagte Ellinghorst. Entziehen könnten sich dem negativen Trend in aller Welt am ehesten Premium-Hersteller wie BMW oder Porsche.

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