Wirtschaft : IAA: Deutsche Autohersteller trotzen Branchenflaute

ro/stw

Die deutschen Autohersteller trotzen der weltweiten Konjunkturflaute: Auf der Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) in Frankfurt (Main) berichteten sie am Dienstag von neuen Absatzrekorden und einem herausragenden Jahr 2001. Erschütterung herrschte indes nach der Serie von Terroranschlägen in den USA vor. Der Veranstalter, der Automobil-Branchenverband VDA, beschloss eine Verschärfung der Sicherheitsbestimmungen für die Messe. Die für Donnerstag geplante Eröffnungsfeier mit Bundeskanzler Gerhard Schröder wurde abgesagt, ebenso zahlreiche weitere Veranstaltungen rund um die IAA.

Porsche legte die vorläufigen Zahlen für das Ende Juli abgelaufene Geschäftsjahr 2000/2001 vor. Der Sportwagenhersteller wolle erstmals mehr als eine Milliarde Mark Gewinn erzielen, sagte Porsche-Vorstandschef Wendelin Wiedeking am Montag in Frankfurt. Im Vorjahr waren es knapp 850 Millionen Mark. Exakt 54 586 der schnellen Autos konnte Porsche verkaufen, zwölf Prozent mehr als im Vorjahr. Der Umsatz kletterte von 7,1 Milliarden Mark auf 8,5 Milliarden Mark. "Mit Ergebnis und Umsatz übertreffen wir die kühnsten Erwartungen der Analysten", sagte Wiedeking. Für das laufende Jahr erwartet Porsche in den USA keine Abschwächung der Geschäfte.

Auch bei Mercedes laufen die Geschäfte laut Daimler-Chrysler-Vorstandsmitglied Jürgen Hubbert rund. Bis Ende August verkauften die Stuttgarter weltweit rund 749 000 Autos, das waren elf Prozent mehr als in den ersten acht Monaten des Jahres 2000. Im schrumpfenden deutschen Markt konnte Mercedes um fünf Prozent, in Westeuropa um zwölf Prozent zulegen. Auch in den USA lag Mercedes mit 134 600 verkauften Autos leicht über dem Rekordniveau des Vorjahres.

Die Konkurrenz aus München wird allerdings stärker. BMW-Chef Joachim Milberg, der auf der IAA den neuen 7er-BMW vorstellte, sagt den Stuttgarter den Kampf an. "Wir wollen der erfolgreichste Premiumhersteller in der Automobilindustrie sein." Auch BMW konnte den Absatz in den ersten acht Monaten um neun Prozent auf über 596 000 Einheiten steigern. Diese Dynamik werde man beibehalten und deshalb im gesamten Jahr über 900 000 Autos absetzen, sagte Milberg. Das wäre ein Plus von über neun Prozent gegenüber dem Rekordjahr 2000. Auch beim Umsatz und Gewinn werde man das Vorjahr deutlich übertreffen.

Von glänzenden Zahlen berichtete auch Audi-Chef Franz-Josef Paefgen. "Mit erstmals mehr als 700 000 Auslieferungen wird 2001 das bisher erfolgreichste Jahr in der Unternehmensgeschichte." Bis Ende August lieferte Audi weltweit mehr als 480 000 Fahrzeuge aus, ein Plus von rund neun Prozent. Für 2002 zeigte sich Paefgen ebenfalls optimistisch. Für den Volkswagen-Konzern insgesamt verlief das Geschäftsjahr 2001 bislang nach Angaben von Vorstandschef Ferdinand Piëch bis auf den stagnierenden Markt in Westeuropa "sehr positiv". Weltweit wurden 3,48 Millionen Autos ausgeliefert, 2,7 Prozent mehr als im gleichen Vorjahreszeitraum. In Deutschland allerdings musste Volkswagen deutliche Einbußen hinnehmen, die Piëch allerdings nicht bezifferte. "Es wird aber deutlich, wie stark der deutsche Markt für uns die weltweite Entwicklung bestimmt", sagte er.

Der designierte VW-Vorstandschef Bernd Pischetsrieder distanzierte sich unterdessen von seinem Vorgänger Piëch. Er wolle "die Freiheit der Konzerntöchter einschränken", sagte er dem Handelsblatt. Piëch hatte Skoda, Seat und Audi vor allem am Gewinn gemessen. Pischetsrieder will bei der Modellpolitik offenbar eine bessere Abstimmung der Produktpalette, statt jede Fahrzeugklasse mit mehreren Marken zu bedienen. Auch bei Nutzfahrzeugen will er eine neue Linie: Sollte das Unternehmen beim Geschäft mit schweren Lastwagen weltweit nicht die Nummer zwei werden können, müsse man auch über einen Rückzug nachdenken.

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