IAA : Messe in den Wechseljahren

Gut gelaunte Firmenchefs und Elektro-Prototypen dominieren die IAA. Verkauft werden müssen aber Benziner und Diesel: Die Stimmung ist angespannt.

Kai Kolwitz
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Präsentation mit viel Konfetti: Der Mini-Stand auf der IAA. -Foto: dpa

Frankfurt am Main"Die Leidenschaft für Mobilität liegt in unseren Genen", gibt BMW-Chef Norbert Reithofer die Losung für die diesjährige IAA aus. Reithofer darf den Anfang machen am Tag der Präsentationen auf der Automesse. Sein Unternehmen hat für ein angemessenes Ambiente gesorgt: Zusammen mit den Konzerntöchtern Mini und Rolls Royce belegt BMW eine ganze Messehalle auf dem Frankfurter Gelände. Als Präsentationsfläche dient eine Art überdimensionaler Carrerabahn, mit echten, fahrenden Autos.

In der Steilkurve hält Reithofer seine Ansprache. Er müht sich um den Spagat zwischen den alten Werten der Marke und den neuen, sauberen Zielen, die seit einer Weile gefordert sind. Das Auto, das während der Präsentation ins Zentrum rückt, passt dazu: die Studie eines Supersportlers im Flunderlook, mit durchsichtigen Türen und Hybridantrieb. Von 0 auf 100 kommt der Wagen in weniger als 5 Sekunden, die Spitze liegt bei Tempo 250, der Verbrauch bei weniger als 4 Litern. "Individuelle Mobilität hat Zukunft", sagt der Konzernchef dazu, und es klingt fast beschwörend.

Ab Donnerstag darf sich das Publikum die Schaustücke der Hersteller auf dem Frankfurter Messegelände ansehen. Am Pressetag der Internationalen Automobilausstellung absolviert alle halbe Stunde ein anderer Konzernchef seinen Auftritt. Die meisten Präsentationen verliefen ähnlich wie die BMW-Show: Zuerst wurden die elektrisch betriebenen Schaustücke der Hersteller auf die Bühne gefahren und gefeiert. Dann folgen, fast verschämt, SUVs, Familienkutschen oder Luxuslimousinen.

Mercedes etwa hat seine Messehalle gegenüber den Vorjahren etwas bescheidener eingerichtet. Das Ambiente ist aber noch weit davon entfernt, ärmlich zu wirken. Flankiert von Tänzern in überdimensionalen Pusteblumen rollte erst einmal eine Plug-In-Hybridversion der S-Klasse auf die Bühne, also ein S-Klassen-Hybridmodell, dessen Batterie auch mit Strom aus der Steckdose aufgeladen werden kann. Dann folgt ein Überblick über die verschiedenen Elektro-Versionen der B-Klasse, die man in die Serie bringen möchte. Erst fast zum Schluss rollt das Kombimodell der neuen E-Klasse auf die Bühne. Es ist das einzige der Schaustücke, das man auf Sicht wird kaufen können. Mit Benzin- oder Dieselmotor selbstverständlich.

Eigentlich ist es logisch, dass die großen Hersteller auf der IAA 2009 noch nichts Serienreifes auf die Präsentationsflächen stellen können, das nur mit Strom ans Ziel kommt. Erst mit dem UN-Klimabericht 2007 wurde der öffentliche Druck in Sachen alternative Antriebe wirklich groß. Bis dahin hatten sich die meisten darauf konzentriert, ihre Verbrennungsmotoren zu optimieren. Und die Entwicklungszyklen in der Autoindustrie sind lang, speziell die Batterietechnik bekommen die Hersteller ganz offensichtlich nicht auf Zuruf in den Griff.

Für die PR-Abteilungen der Autobauer bedeutet das allerdings ein schlimmes Dilemma: Benziner und Diesel sind das, was man dem Käufer schmackhaft machen muss. Sie fühlen sich aber an wie Technik von gestern. Was neue Antriebsarten angeht, kann man sich nur mit Verweisen auf die Zukunft helfen.

Dabei ist es den Ingenieuren vieler Hersteller zur IAA 2009 gelungen, konventionelle Motoren auf Verbrauchswerte zu trimmen, die man vor drei oder vier Jahren noch für ziemlich beeindruckend gehalten hätte. Mit 3,3 Liter Diesel je 100 Kilometer annonciert VW den Polo Blue Motion. Nur knapp über vier Liter soll sich der BMW 320d Efficient Dynamics gönnen. Der CO-Ausstoß der beiden Fahrzeuge liegt bei 87 beziehungsweise 109 Gramm pro Kilometer. Allerdings fallen diese Fortschritte kaum auf, sie werden überstrahlt vom Warten auf Hybrid- und Elektroautos.

Gelegentlich wirkt der joviale Ton der Ansprachen auf der IAA deshalb etwas verkrampft, aller Medientrainings zum Trotz. Aber es gibt auch Ecken, in denen alles noch so zu sein scheint wie in einfacheren Zeiten. Mercedes-Tuner Brabus etwa präsentiert ein Monument der Sinnlosigkeit: Eine mattschwarze E-Klasse-Limousine mit Zwölfzylinder-Motor und zwei Turboladern, 800 PS stark und mit einer Spitzengeschwindigkeit von weit über 300 Stundenkilometern. Das Monster braucht vollverkleidete Hinterräder und Spoiler, um nicht abzuheben, und über den Verbrauch mag man nicht einmal nachdenken. In solchen Momenten scheint die Messe noch ganz bei sich selbst zu sein.

Quelle: ZEIT ONLINE

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