IAA : Schluss mit den Autoträumen

Ohne einen neuen Besucherrekord, aber in demonstrativ guter Stimmung ist die 63. Internationale Automobil-Ausstellung (IAA) am Sonntag zu Ende gegangen – jetzt steht die Branche vor einem schwierigen Jahr.

Rolf Obertreis

Die Messe lockte 850.000 Besucher an und damit 5,5 Prozent weniger als beim vergangenen Mal vor zwei Jahren. Der Präsident des Branchenverbandes VDA, Matthias Wissmann, zeigte sich dennoch zufrieden. „Die weltweit wichtigste Mobilitätsmesse hat sich in einem sehr schwierigen Umfeld als Publikumsmagnet erwiesen.“

Doch auch die Zahl der Aussteller lag in diesem Jahr mit 781 um sieben Prozent unter dem Niveau von 2007. Mehrere große japanische Hersteller wie Nissan, Honda und Mitsubishi hatten wegen der Wirtschaftskrise auf eine Teilnahme verzichtet. Die auf der IAA vertretenen Hersteller rückten vor allem Elektroautos und alternative Antriebe ins Scheinwerferlicht.

Ein Elektroauto allerdings werden sich die wenigsten Kunden bald zulegen können. Zwar sollen entsprechende Modelle in zwei bis drei Jahren unter anderem bei Opel und VW vom Band laufen. Doch erschwinglich dürften sie nicht sein. Eine leistungsfähige Batterie kostet auf absehbare Zeit 8000 bis 12.000 Euro und damit so viel wie heute ein ganzer Kleinwagen, rechnete Bosch-Chef Franz Fehrenbach auf der IAA vor. Mindestens genauso umlagert wie die Elektrofahrzeuge waren ohnehin Luxusautos und Sportwagen mit zum Teil zweifelhaft hohem Spritverbrauch.

2010 wird ein sehr schwieriges Autojahr – darüber waren sich auf der IAA die Chefs der großen Autokonzerne, die IG Metall und auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) einig. Die Abwrackprämie ist vorbei, die Konjunktur lahmt, die Arbeitslosigkeit steigt – deshalb könnten die Pkw-Neuzulassungen im nächsten Jahr um eine Million auf nur noch 2,5 Millionen sinken. Daran ändere auch wenig, dass sich angeblich jeder vierte Besucher im nächsten halben Jahr ein neues Auto kaufen wolle, wie VDA-Chef Wissmann betonte. Die Hoffnungen der Branche ruhen denn auch wieder auf dem Export: Traditionell werden drei von vier in Deutschland gefertigten Autos ins Ausland verkauft.

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