Wirtschaft : < i>< b>„Wer Angst hat, erreicht nichts“ Autor Markus Henrik will Praktikantenrevolte

Herr Henrik,

was war Ihre schlimmste Erfahrung bei einem Praktikum?



Das Elend begann in der zehnten Klasse. Ich wollte die Arbeit bei einer Bank kennenlernen und durfte nur Brötchen holen, Kaffee kochen und das Archiv aufräumen. Seitdem war ich schon ein wenig traumatisiert. Im Studium habe ich unterschiedliche Erfahrungen mit Praktika gemacht. In einem Tonstudio bekam ich zwar kein Geld, durfte dafür aber nachts meine eigene Musik aufnehmen.

Trotz der Frusterlebnisse haben Sie Praktika fast wie Briefmarken gesammelt.

Einblicke in die Berufspraxis sind ja grundsätzlich etwas Positives. Zwar sind über die Hälfte der Praktika unter- oder gar unbezahlt. Andere Unternehmen bieten aber faire Bedingungen.

Was gehört zu einem fairen Praktikum?

Auf jeden Fall ist eine Art Mindestlohn wichtig, denn Studenten müssen nicht nur ihr Leben finanzieren, sondern sie tragen auch zur Wertschöpfung eines Unternehmens bei. Der Praktikant ersetzt keine festangestellten Mitarbeiter, für ihn sollten aber dieselben Urlaubs- und Feiertagsansprüche gelten. Ein Arbeitsvertrag schafft Transparenz bei den Aufgaben und ein konkret benannter Mentor aus dem Unternehmen gibt dem Praktikanten Orientierung.

Wenn es nicht optimal läuft, was raten Sie einem unzufriedenen Praktikanten?

Er sollte sich auf keinem Fall ins „stille Eckchen“ zurückziehen und nur seine Aufgaben abarbeiten. Stattdessen muss er den Mut aufbringen, seinen Mund aufzumachen und klar zu sagen, was er machen will und was nicht. Wer aus Angst vor einem schlechten Zeugnis nichts Kritisches sagt, der wird wenig bis gar nichts erreichen. Und wenn das Engagement nichts bringen sollte, hilft nur, das Praktikum abzubrechen.

Als in Ihrem Praktikanten-Roman „CopyMan“ die Hauptfigur Anton erfährt, dass alle seine Mitbewerber keinen Job erhalten haben, planen sie Rache. Was raten Sie real ausgebeuteten Ex-Praktikanten?

Da die Probleme heute individueller sind, funktionieren klassische Demonstrationen nicht mehr so gut. Die Anhänger der 68er-Bewegung haben sich irgendwo nackt angekettet, wir sitzen angezogen vor dem Computer und organisieren uns mittels Twitter, Foren und Co. Daraus ergeben sich neue Formen, wie zum Beispiel Flashmops: Über das Internet verbreitete kurze Termine, zu denen sich scheinbar spontan Menschen an einem Ort zusammenfinden, dort auf einmal alle das Gleiche tun und damit eine Botschaft vermitteln. 2009 haben 200 Praktikanten in Berlin mit einem eintägigen Streik ein Zeichen gesetzt. Die Presse hat berichtet und faire Praktikumsbedingungen waren ein öffentlich diskutiertes Thema. Von solchen Aktionen brauchen wir mehr.

Die Fragen stellte Niels Hille (HB). Literatur: Copy Man– Ein Praktikanten-

Roman von Markus Henrik, Eichborn

Verlag, 12,95 Euro

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