Wirtschaft : IBM begeistert die Börsen

Gute Zahlen des Computerkonzerns machen Hoffnung: Die Branche steht nicht am Ende des Aufschwungs

Maurice Shahd

Berlin - Gute Nachrichten großer Technologiekonzerne haben am Freitag für einen Kurssprung an den Finanzmärkten gesorgt. Der weltweit größte Computerkonzern IBM und der koreanische Elektronikkonzern Samsung steigerten im zweiten Quartal kräftig ihre Gewinne und sorgten damit bei Analysten für eine positive Überraschung. Dell, Marktführer bei Personal Computern, hob seine Gewinnprognose für das zweite Quartal an. An der Frankfurter Börse gehörten die Aktien des Chipherstellers Infineon zu den Gewinnern im Dax. Siemens-Titel schlossen unverändert.

An den Finanzmärkten wurden die guten Zahlen von IBM mit Erleichterung aufgenommen. „Die Investitionen der Firmen in neue Informationstechnik bleiben stabil. Davon profitiert IBM“, sagte Takis Spiliopoulos, Technolgieexperte beim Bankhaus Vontobel. Der US-Konzern steigerte im zweiten Quartal den Umsatz um sieben Prozent auf 23,2 Milliarden Dollar im Vergleich zum Vorjahresquartal. Der Gewinn stieg um 15 Prozent auf 2,0 Milliarden Euro.

Zuvor hatten schlechte Quartalsergebnisse mehrerer Softwarefirmen und verhaltene Prognosen der Chiphersteller Intel und AMD Befürchtungen genährt, der Aufschwung der Technologiebranche stehe schon wieder vor dem Ende. Die Aktienkurse der Unternehmen brachen daraufhin um mehr als zehn Prozent ein. Branchenexperten erwarten aber noch keine grundsätzliche Trendwende, verweisen aber auf unterschiedliche Entwicklungen in den einzelnen Märkten.

Positiv entwickelt sich nach wie vor die Nachfrage nach Hardware wie PCs, Notebooks oder größeren Server-Computern. Nach Angaben des Marktforschungsinstituts Gartner stieg der weltweite Umsatz mit PCs und Notebooks im zweiten Quartal um 13,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahresquartal. „Die Ersatzbeschaffungen von PCs sind derzeit der wichtigste Wachstumstreiber für die Computerindustrie“, sagte Gartner-Vizechef Charles Smulders. Die Unternehmen hatten vor der Jahrtausendwende viel Geld für neue Informationstechnik ausgegeben, in der anschließenden Konjunkturflaute ihre IT-Budgets aber radikal zusammengestrichen. Inzwischen ist die vorhandene Technik veraltet und muss erneuert werden. Marktführer bei den PC-Herstellern bleibt Dell mit 16,5 Prozent vor Hewlett-Packard mit 14,3 Prozent. An dritter Stelle liegt IBM (5,9 Prozent), dessen Hardware-Sparte im zweiten Quartal um zwölf Prozent zulegen konnte.

Schlechter lief bei IBM das Geschäft mit Software, das währungsbereinigt sogar ein Umsatzminus von vier Prozent auf 3,5 Milliarden Dollar verzeichnete. Damit folgt IBM einer Reihe anderer Softwarefirmen wie Peoplesoft oder Siebel, deren Ergebnisse im zweiten Quartal enttäuschten. „Während sich die Investitionen in Hardware nicht mehr aufschieben lassen, schauen die Unternehmen bei neuer Software weiter sehr genau, was ihnen eine Erneuerung bringt“, sagt Technolgieexerte Spiliopoulos. Zudem gehe der Trend zu großen Softwarepaketen mit unterschiedlichen Anwendungen. „Davon profitieren große Anbieter wie SAP und Oracle, kleinere wie Siebel verlieren.“

Die heftige Reaktion der Börsen auf die Quartalszahlen von Intel und AMD erklären Analysten vor allem mit den überhöhten Erwartungen der Finanzmärkte. „Das sehr hohe Wachstum der letzten Quartale lässt sich auf Dauer nicht durchhalten“, sagt Michael Busse, Technologieexperte bei Helaba Trust. Der Halbleitermarkt wachse aber weiter stabil. Höhere Lagerbestände von Intel hatten an den Börsen die Sorge ausgelöst, der Markt stehe vor einem Abschwung. „Nach den negativen Erfahrungen der Boomjahre 1999 und 2000 reagieren die Anleger jetzt sehr empfindlich“, sagt Busse.

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