Wirtschaft : IBM löst Schockwelle an den Börsen aus

Enttäuschende Geschäftszahlen belasten Technologieaktien/ Stellenabbau droht/Gewinneinbruch bei Samsung und Sony Ericsson

Henrik Mortsiefer

Berlin - Der weltgrößte Computerhersteller IBM hat mit enttäuschenden Geschäftszahlen eine Schockwelle auf den Finanzmärkten ausgelöst. An den Börsenplätzen in New York, Tokio und Frankfurt gaben am Freitag vor allem Technologieaktien massiv nach. Auch der Dax geriet ins Rutschen und schloss um zwei Prozent niedriger bei 4312,25 Punkten. Auch der Tec-Dax fiel um zwei Prozent. Bei IBM droht nun ein weltweiter Stellenabbau. Die Stimmung an den Märkten verschlechterte sich zusätzlich, weil auch der größte Speicherchip-Hersteller Samsung und der Handy-Produzent Sony Ericsson Gewinneinbrüche im ersten Quartal meldeten.

IBM machte „schlechte wirtschaftliche Bedingungen“ in Deutschland, Italien, Frankreich und Japan sowie Probleme beim Abschluss von kurzfristigen IT-Dienstleistungsverträgen für das schlechte Abschneiden verantwortlich. „Nach einem guten Start hatten wir Schwierigkeiten, in den letzten Wochen des Quartals Geschäfte abzuschließen“, sagte IBM-Chef Sam Palmisano. Für das erste Quartal gab der US-Konzern einen Gewinn von 1,41 Milliarden Dollar (Vorjahr: 1,36 Milliarden) bekannt – Analysten hatten mehr erwartet. Der Umsatz stieg um drei Prozent auf 22,9 Milliarden Dollar. Auch hier hatten Experten mit mehr gerechnet. Die IBM-Aktie gab in Frankfurt um 9,3 Prozent nach – das entspricht einem Börsenwertverlust um gut zehn Milliarden Euro.

„Wenn ein so großer Spieler wie IBM Probleme hat, dann ist das ein Warnschuss für die ganze Branche“, sagte Technologieanalyst Norbert Kretlow von Independent Research. „Beängstigend“ sei, dass IBM im März einen offenbar so drastischen Geschäftseinbruch erlitten habe, dass die Planung für das gesamte Vierteljahr durcheinander geraten sei. „Man muss sich jetzt fragen, was mit der Branche insgesamt los ist und ob die Investitionen in neue IT-Infrastruktur zurückgefahren werden“, sagte Kretlow. Dies wäre ein Signal für eine Konjunkturabschwächung in den kommenden Quartalen. „Die Risiken liegen auf der Hand“, sagte Heinz Steffen, Branchenanalyst bei Fairesearch. Die Geschäftszahlen einiger großer Technologiefirmen – darunter auch des Chipkonzerns AMD – deuteten auf eine „weltweite Abschwächung“. „50 Prozent der Chips werden in Konsumgütern verbaut“, sagte Steffen. „Aber das Verbrauchervertrauen lässt weiter zu wünschen übrig.“

Das bekam zuletzt auch der südkoreanische Chipkonzern Samsung zu spüren: Die mangelnde Nachfrage nach Flachbildschirmen und sinkende Margen bei Handys ließen den Nettogewinn in den ersten drei Monaten um 52 Prozent auf umgerechnet 1,15 Milliarden Euro schrumpfen. Die Aktie verlor im deutschen Handel gut sieben Prozent. Auch der Gewinn des schwedisch-japanischen Handy-Herstellers Sony Ericsson hat im ersten Quartal unter der Konkurrenz und dem Preisverfall auf dem Mobilfunkmarkt gelitten. Vor Steuern sank er im Vergleich zum Vorjahr um 27 Millionen Euro auf 70 Millionen Euro. Das Unternehmen setzt jetzt auf das zweite Quartal und neue Handy-Modelle. Auch Samsung glaubt, dass der Bedarf nach so genannten Flash-Speicherchips anzieht, die vor allem in Mobiltelefone, MP3-Spieler und Camcorder eingebaut werden.

Die Prognose beim Computerkonzern IBM fiel hingegen deutlich pessimistischer aus. Finanzchef Mark Loughridge bestätigte, dass im ersten Quartal mit – früher bereits angekündigten – Umstrukturierungen an europäischen Standorten begonnen worden sei. Analyst Kretlow vermutet, dass aber zusätzliche „Sofortmaßnahmen“ nötig sein könnten. In Deutschland beschäftigt der Konzern 25000 Mitarbeiter, weltweit sind es 330000. Im März hatte das Unternehmen bereits die Schließung von zwei Betriebsstätten angekündigt. Betroffen ist die Dienstleistungstochter IBM Business Services GmbH in Hannover und Schweinfurt mit insgesamt 580 Beschäftigten. Derzeit laufen die Gespräche mit den Gewerkschaften, wie der Stellenabbau sozialverträglich gestaltet werden kann. „Wir müssen im Markt der IT-Services effizienter werden“, begründete ein IBM-Sprecher die Werksschließungen. Ob mit weiteren Umstrukturierungen am deutschen Standort zu rechnen sei, wollte er nicht kommentieren. Laut „Wall Street Journal“ will IBM in Europa Tausende Stellen streichen und in osteuropäische Billiglohnländer verlagern. Die Rede ist von bis zu 8000 Arbeitsplätzen. Betroffen seien vor allem Deutschland und Schweden.

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