Wirtschaft : ICE-Strecke Berlin-Nürnberg teurer als geplant

Bahn-Aufsichtsrat hält den Bau der Hochgeschwindigkeitsstrecke nur bei zusätzlichen Bundesmitteln für möglich

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Berlin (dpa/Tsp). Der Bau der neuen ICEStrecke Berlin-Nürnberg wird voraussichtlich drastisch teurer als bisher geplant. Die Deutsche Bahn geht in ihrer mittelfristigen Finanzplanung inzwischen allein für den Abschnitt Nürnberg-Erfurt von Baukosten in Höhe von 4,91 Milliarden Euro aus, wie am Montag aus dem Aufsichtsrat in Berlin verlautete. Dies seien allein für dieses Teilstück fast 700 Millionen Euro mehr als noch im vergangenen Jahr geplant.

Die Bahn halte eine Realisierung der mit zahlreichen Brücken und Tunneln geplanten Strecke nur bei Bereitstellung weiterer Bundesmittel für möglich, hieß es weiter. Zusätzliches Geld zu den bereits bereit gestellten Haushaltsmitteln sei jedoch „völlig illusorisch“, so der Aufsichtsrat. Ein Sprecher der Deutschen Bahn wollte die Angaben nicht kommentieren. Die ICE-Strecke ist ein wichtiges Verkehrsprojekt der Deutschen Einheit und wurde zuletzt auch von der rot-grünen Koalition als „prioritäres Projekt“ hervorgehoben.

Die Mittelfristplanung der Deutschen Bahn bis 2007 – unter anderem mit den Umsatz- und Ergebniserwartungen – ist am 4. Dezember Thema der Aufsichtsratssitzung des bundeseigenen Unternehmens. Die Gewerkschaft Transnet hat dem Bahn-Management bereits eine zu optimistische Prognose auf Basis unrealistischer Wachstumszahlen der deutschen Wirtschaft vorgeworfen. Die für 2003 von der Bahn unterstellte Wachstumsrate für Deutschland von 2,0 Prozent und von 2,5 Prozent für die Folgejahre sei zu hoch, sagte ein Sprecher.

Die Finanzierung von Teilstücken der 500 Kilometer langen ICE-Strecke Berlin-Nürnberg, die nach bisherigen Plänen 2012 fertig gestellt werden soll, ist immer noch nicht vollständig geklärt. So haben Bund und Bahn für einen Abschnitt noch gar keine Finanzierungsvereinbarung unterzeichnet, für einen anderen soll sie noch aktualisiert werden.

Das Bundesverkehrsministerium hatte kürzlich Verzögerungen eingeräumt und diese mit Haushaltsfragen begründet, zugleich aber klargestellt, dass das Projekt nicht in Frage gestellt sei. Nach den Plänen der Bahn AG sollen Hochgeschwindigkeitszüge von 2012 an die Fahrzeit von Berlin nach Nürnberg und weiter bis München auf drei bis vier Stunden verkürzen. Derzeit dauert die Reise sechs bis sieben Stunden. Mit 22 Tunneln und 29 Brücken ist die Bergetappe durch den Thüringer Wald ingenieurstechnisch besonders anspruchsvoll.

Neue Kritik an Preisreform

Nach Verbraucherverbänden und der Stiftung Wartentest kritisierte das ZDF-Magazin „Wiso“ am Montag das neue Preissystem der Bahn. Vor allem für Einzelfahrer mit Bahncard werde es ab dem 15. Dezember oft wesentlich teurer, die Bahn zu nutzen. „Wiso“ stützt sich dabei auf Modellrechnungen für 100 Strecken im Regionalverkehr bis 200 Kilometer.

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