Wirtschaft : „Ich bin ich“

Der Nachfolger von Ron Sommer präsentiert sich selbstbewusst

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Sympathisch, mit einem Lächeln, ja geradezu locker trat KaiUwe Ricke am Donnerstag vor die versammelte Presse. „Ich bin ich“, sagte der neue Telekom-Chef in das Blitzlichtgewitter der Fotografen und machte damit klar, dass mit seiner Ernennung ein Schlussstrich unter die Vergangenheit gezogen werden soll. Nach einer Phase der Analyse sei jetzt „die Stunde des Handelns“ gekommen, sagte Ricke.

Trotzdem wird es der neue Mann an der Spitze der Telekom nicht leicht haben, aus dem Schatten seines charismatischen Vorgängers Ron Sommer zu treten. Ricke gilt nicht als Mann, der knallhart unpopuläre Entscheidungen durchsetzt. Das ist wohl ein Grund, warum er bei seiner Berufung zum Vorstandschef der Telekom die Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat hinter sich hatte.

Dabei hat Ricke der Telekom zunächst erfolgreich Konkurrenz gemacht – als Geschäftsführer der Mobilfunkfirma Talkline. Durch sein erfolgreiches Marketing stieg Talkline zur Nummer zwei unter den Mobilfunk-Serviceprovidern auf. Doch nachdem die Firma von Tele Danmark übernommen wurde, sah Ricke dort keine Zukunft mehr für sich. Er ließ sich von Ron Sommer 1998 abwerben und stieg bei der Telekom als Geschäftsführer von T-Mobile ein. Bald managte er das internationale Mobilfunkgeschäft. Dann holte Sommer ihn in den Vorstand des Konzerns. Seit Mai 2001 verantwortet Ricke die Bereiche Mobilfunk und Online und damit die Wachstumsträger der Telekom.

Ein Händchen für gutes Marketing verbindet Ricke mit seinem Vorgänger Ron Sommer. Unter seiner Führung wurde T-Mobile vor dem Erzkonkurrent D2 Vodafone wieder die Nummer eins auf dem deutschen Markt. Im Gegensatz zu Sommer, der manchmal eher an einen Staatschef erinnerte als an einen Unternehmenslenker, tritt der 1,90 Meter große Ricke sehr bodenständig, offen und unkompliziert auf.

Ricke gilt als besonders fleißig. Für seine Familie – Ricke ist verheiratet und hat zwei Söhne – hat er heute schon wenig Zeit, wenn er für T-Mobile zwischen Bonn, London und den USA pendelt. Als Telekom-Chef wird er wohl noch weniger Gelegenheit haben, mit seinen Kindern segeln zu gehen.vis

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