Wirtschaft : „Ich bin kein Markenbauer-Guru“

Peter Olsson berät Prominente. Zu seinen Klienten zählt auch Michael Ballack. Warum der Chef der Agentur „Performance Plus“ auch Unternehmern rät, sich treu zu bleiben

Diana Fröhlich
Foto: dpa/dpaweb
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Die Adresse seines Büros ist standesgemäß. In der Münchener Maximilianstraße empfängt Werbeprofi Peter Olsson seine Klienten, meist Prominente aus Sport, Musik, Fernsehen. Seine Regale zieren handsignierte Autogrammkarten, Klienten schicken ihm regelmäßig Grüße. Olsson, früher Sponsoringchef der Fußballsendung „ran“ auf Sat1, hat beste Kontakte – auch in die Wirtschaft.

Herr Olsson, in Ihrem Buch „Erkenne Dein Talent“ sagen Sie, dass wir von Spitzensportlern lernen können. Was?

Sie definieren sich über Leistung. Sie tun etwas aus Leidenschaft – und weil sie ihr Talent erkannt haben. Es ist enorm wichtig für jeden von uns, sich immer wieder klarzumachen, was man wirklich will, wofür es sich lohnt, zu kämpfen und hart zu arbeiten.

Und wie geht das?

Nur, indem man sich mit sich selbst auseinandersetzt. Meinen Kunden predige ich deshalb immer die ehrliche Selbstanalyse. Wo will ich hin? Warum will ich das? Um ihnen auf die Sprünge zu helfen, müssen sie zu Beginn unserer Zusammenarbeit einen 60-Fragen-Katalog beantworten. Darin steht, wer sie wirklich sind.

Sie arbeiten mit Sportlern, Musikern, Entertainern – Menschen, die im Rampenlicht stehen und als oberflächlich gelten. Hören die Ihnen überhaupt zu?

Ich habe die Erfahrung gemacht: Je erfolgreicher jemand ist, desto bodenständiger sein Wesen. Die Promis kommen in der Öffentlichkeit vielleicht oberflächlich rüber – doch das ist meist ein falscher Eindruck. Die Medien geben heute eine enorme Geschwindigkeit vor, da fällt es schwer, sich immer richtig zu verhalten.

Und an dieser Stelle kommen Sie ins Spiel?

Richtig. Ich helfe ihnen dabei, ein Image zu kreieren, sich zu vermarkten und auch Geld zu verdienen. Ich bin einer der wichtigsten Vertrauenspersonen.

Was ist die Voraussetzung, damit Sie mit einem Prominenten zusammen arbeiten?

Er muss ehrlich und authentisch sein. Sich fragen, was er wirklich will und für was er steht. Wer sich verstellt, hat keine Chance.

Was raten Sie Ihren vier Kindern?

Die Kinder sind mit meinen Kunden, Prominenten aus Sport, Musik und Entertainment aufgewachsen. Meine Tochter spielte in ihrem Zimmer mit Paris Hilton, mein Sohn Schlagzeug mit dem Drummer von Bon Jovi. Sie wissen, dass meine Klienten zwar in den Medien ständig präsent, aber trotzdem normale Menschen sind. Und ich sie manage, weil sie berühmt sind. Meine Kunden sind, wie meine Kinder, Teil meines Lebens. Und auch für sie gilt: Mach dir klar, wer du bist und wer du sein willst.

Hört sich recht einfach an.

Das ist es leider nicht immer. Ich berate Menschen, die mir vertrauen. Doch sie müssen lernen, sich mit sich selbst zu beschäftigen. Ich hatte einen Kunden, der davon überzeugt war, ein offener Mensch zu sein. Die Presse aber stellte ihn immer als schwer zugänglich dar. Da streben Selbst- und Fremdwahrnehmung auseinander. Wer falsch rüberkommt, muss etwas dagegen tun. Das ist oft harte Arbeit.

Würden Sie gerne auch mit Bankern, Industriellen, Dax-Chefs arbeiten?

Bislang berate ich lediglich einen Mittelständler, der sich verstärkt um seine Positionierung im Markt kümmern möchte. Der sich sozial engagieren und in die Öffentlichkeit treten will.

Warum versuchen nur wenige Topmanager, sich als Marke zu etablieren?

Weil viele immer nur ein paar Jahre lang einen Job machen – und dann wechseln. Häufig nicht nur die Firma, sondern auch die Branche. Wer versucht, sich zu positionieren, wirkt dadurch nicht gerade glaubwürdig. Sinnvoller ist es für Gründer und inhabergeführte Unternehmen, über ein passendes Image und den Aufbau einer eigenen Marke nachzudenken.

Von wem könnten sie lernen?

Starke Persönlichkeiten wie Steve Jobs, Bill Gates oder Airline-Chef Richard Branson sind ihren Weg gegangen. Sie stehen für eine Marke, sie verkörpern sie und damit gewisse Werte. Das ist immens wichtig für den Erfolg eines Unternehmens. Nur wer authentisch ist, ist langfristig erfolgreich. Bisher haben nur wenige Unternehmer ein echtes Profil.

Wofür stehen sie in der Öffentlichkeit?

Viele für Gier, Egoismus, Massenentlassungen, Profit. Dagegen werden Macher mit Charisma gebraucht, Vorbilder, die Verantwortung für Mitarbeiter und die Gesellschaft übernehmen. Die Firmen hierzulande machen sich darüber mehr und mehr Gedanken.

Mit wem können Sie arbeiten?

Ich kann eine Marke nur dann sinnvoll aufbauen, wenn die Person ehrlich rüberkommt. Ich bin kein Markenbauer-Guru, der den Promis unzählige Werbeverträge verschafft. Die Person muss etwas verkörpern – und das können wir verkaufen.

Sie behaupten, jeder kann sein eigenes Image entwickeln, sich zu einer Marke machen. Warum ist das so wichtig?

Es ist heute immer wichtiger, überhaupt ein Image zu haben, sich zu positionieren. Individuelle Besonderheiten werden stärker wahrgenommen. Und auch bewertet. Prominente, die genau das tun, kann ich besser vermarkten.

Was muss man dabei beachten?

Mit den richtigen Menschen zusammen sein, auf Rat hören, über Kritik dankbar sein. Sich Zeit nehmen für die wirklich wichtigen Dinge, mit sich selbst im Reinen sein. Nur dann stellt man die Person dar, die man ist. Es ist die Kombination aus allem, die den Erfolg ausmacht: Prinzipien, Werte, Leistung, Respekt, Stil.

Was raten Sie denjenigen, die am Anfang einer Karriere stehen?

Abwarten. Wer neu in einer Firma ist, sollte zwar durch Wissensdurst und Engagement auffallen, aber auf keinen Fall eine Rolle spielen. Der Student, der an der Uni der Clown war, sollte den nicht auch in der Firma spielen. Wer jung ist, braucht einen Mentor, gute Freunde, die Familie. Dann kann er sich entwickeln.

Vielen fällt das schwer, sie verstellen sich.

Das ist die größte Gefahr. Wer TV-Moderator werden will, darf nicht schüchtern sein. Ich rate Menschen, an ihren Stärken zu arbeiten. Die Schwächen werden sich nie ganz ausmerzen lassen.

Und wenn der Fehler dann doch passiert?

Immer dazu stehen. Auch wenn es schwer fällt. Das Gute ist: Man kann daraus lernen.

Wie haben Sie Ihre Lektion gelernt?

Ich war 25 Jahre alt, arbeitete voller Enthusiasmus in einer Agentur. Mein Chef hatte mir mehr Gehalt versprochen, sechs Monate lang, immer wieder. Als ich ihn während einer Dienstreise noch mal danach fragte, knallte er mir an den Kopf, dass ich zuerst einmal viel härter in Verhandlungen werden müsste. So lange bleibe alles beim Alten. Ich schwor mir daraufhin, dass ich die Dinge auch so schaffen und Karriere machen kann. Dass ich mich nicht verstellen muss, sondern so bleibe, wie ich bin.

Wussten Sie schon früh, wo Sie beruflich hin wollen?

Ich wollte immer Tennisprofi werden. Doch in Schweden ist die Konkurrenz groß, unter die Besten habe ich es leider nicht geschafft. Aber ich habe mir nichts vorzuwerfen, habe mein Bestes gegeben. Meine Leidenschaft ist der Sport, bis heute. Deshalb arbeite ich auch mit Profisportlern zusammen, es ist meine Art der Kompensation.

Das Interview führte die Redakteurin Diana Fröhlich (HB)

Peter Olsson (49) stammt aus Stockholm. Nach dem Studium (Bauingenieurwesen) zog er nach Deutschland und ging in die Werbung. 1998 gründete er seine Imageagentur.

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