Wirtschaft : „Ich habe das Glück, zwei Leidenschaften zu haben“

Der Multimilliardär und Konzern-Gründer widmet sich künftig zusammen mit seiner Frau der gemeinsamen Stiftung

Henrik Mortsiefer

Berlin - Bill Gates, Microsoft-Gründer und reichster Mann der Welt, zieht sich aus dem Softwarekonzern zurück und widmet sich künftig vor allem der wohltätigen Arbeit seiner Stiftung. Microsoft teilte am Donnerstag (Ortszeit) mit, der 50-jährige Gates werde bis Juli 2008 schrittweise das Tagesgeschäft abgeben, dem Konzern aber noch als Berater und Chef des Verwaltungsrates erhalten bleiben. Die Börse zeigte sich unbeeindruckt, die Microsoft-Aktie notierte am Freitag nahezu unverändert.

Bill Gates, der über ein Vermögen von 50 Milliarden Dollar verfügt, engagiert sich in Zukunft zusammen mit seiner Frau für die Bill-und-Melinda-Gates-Stiftung. Sie gilt mit einem Budget von knapp 30 Milliarden Dollar als größte Organisation ihrer Art weltweit. Die 1994 gegründete Stiftung widmet sich neben dem Kampf gegen Aids und andere Krankheiten wie Tuberkulose und Malaria auch Programmen für die Ausbildung von Jugendlichen aus armen Regionen der USA. „Ich habe das Glück, zwei Leidenschaften zu haben, die mir beide wichtig erscheinen“, erklärte Gates. Die Entscheidung, sich bei Microsoft zurückzuziehen, sei schwierig gewesen. „Die Veränderung ist kein Rückzug in den Ruhestand, sondern eine Neuordnung meiner Prioritäten“, fügte der Multimilliardär hinzu.

Im Januar 2000 hatte Bill Gates bereits die Position als Chief Executive Officer (Vorstandschef) an seinen Freund Steve Ballmer abgegeben und die Rolle des „Chief Software Architect“ übernommen. „Ballmer ist schon lange die treibende Kraft bei Microsoft“, sagte Software-Analyst Heinz Steffen von Fairesearch. Er trete weitaus aggressiver als der Konzern-Gründer auf, der im Tagesgeschäft kaum noch eine Rolle gespielt habe. „Bill Gates war ein hervorragender Player in einer Welt, als Software noch in einer Schachtel steckte und man riesige Gewinne erzielen konnte“, sagte George Colony, Chef des Marktforschungsunternehmens Forrester Research. „Ich glaube, es ist sehr schwer für ihn, eine Strategie für eine Welt zu entwickeln, in der alles kostenlos angeboten wird.“

Obwohl Microsoft mit seinem Betriebssystem Windows unangefochten Weltmarktführer ist, tut sich der Konzern im Wettbewerb mit Internetfirmen wie Google oder dem Anbieter des kostenlosen Betriebssystems Linux schwer. Auch der kleinere Konkurrent Apple stahl Microsoft mit dem erfolgreichen Musikplayer iPod die Schau. Kritiker werfen Bill Gates vor, die Bedeutung des Internets unterschätzt zu haben. Mit einem milliardenschweren Investitionsprogramm versucht der Konzern, den Rückstand aufzuholen. An die Vision der Gründer reicht dies freilich nicht heran. Bill Gates hatte Microsoft 1975 mit seinem Freund Paul Allen und einem großen Ziel gegründet: Auf jedem Schreibtisch, in jedem Wohnhaus wird ein Personal Computer (PC) stehen. Heute läuft das Betriebssystem Windows nicht nur auf 95 Prozent aller PCs, sondern ist in immer mehr Handys oder der Microsoft-Spielekonsole X-Box zu finden. „Die Welt hat eine Tendenz, meiner Person ein unangemessenes Maß von Aufmerksamkeit zu schenken“, sagte der freundlich auftretende Gates 31 Jahre nach der Gründung von Microsoft. Daran dürfte auch der Rückzug wenig ändern. „Es ist das Ende einer Ära", sagt Robert Glaser, Chef von Real-Networks und ein früherer Microsoft-Spitzenmanager. „Bill Gates hat die moderne Software-Industrie erfunden.“ mit pf

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