Wirtschaft : „Ich habe nicht besonders viel kaputtgemacht“

KPM-Eigentümer Franz Wilhelm Prinz von Preußen über die wahre Lage der Königlichen Porzellan-Manufaktur, gute Traditionen und neue Wege

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Prinz von Preußen, verstehen Sie eigentlich etwas von Porzellan?

Ich glaube, ich verstehe genügend. Immerhin habe ich auf Grund meiner Herkunft von klein auf von KPMGeschirr gegessen. Und ich habe nicht besonders viel kaputtgemacht.

Wer genau hat denn KPM gekauft – Sie oder ein Konsortium unter Ihrer Führung?

Es gibt kein Konsortium. Ich übernehme die KPM mit Unterstützung einiger Freunde und unserer Hausbank, der Allgemeinen Beamten Kasse Berlin, der ich sehr dankbar bin.

Wieviel haben Sie bezahlt?

Ich sage nicht mehr als der Verkäufer, die Investitionsbank Berlin, bekannt gegeben hat: eine einstellige Millionensumme.

Haben Sie ein profitables Unternehmen übernommen?

Wir waren sehr positiv überrascht von dem, was wir hier vorgefunden haben. KPM wird nach unseren Erkenntnissen schon 2004 besser abschneiden als erwartet.

Das heißt?

Das hängt vom Weihnachtsgeschäft ab. Aber wir können jetzt schon sagen, dass das Unternehmen im laufenden Jahr eine sehr positive Wende genommen hat. Wir werden vermutlich etwas weniger als elf Millionen Euro Umsatz machen, aber wir peilen jetzt schon eine rote Null für 2004 an.

Was bleibt dann für Sie zu tun?

Wir werden den Vertrieb stärken. Da ist in den vergangenen Jahren viel versäumt worden. Vor allem in den USA, in Asien und in den arabischen Staaten sehen wir einen großen Markt für KPM. Wir werden den Absatz aber nicht durch Preisnachlässe oder ähnliche Tricks ankurbeln. Außerdem müssen wir die internen Prozesse verbessern, KPM arbeitet noch zu sehr wie eine Behörde.

Ihr Konkurrent, die Meissener Porzellanmanufaktur, exportiert fast die Hälfte ihres Porzellans. Sie nicht einmal zehn Prozent. Wie wollen Sie überhaupt bekannt werden auf dem Weltmarkt?

Unter dem Namen Meissen wird viel verkauft in der Welt. Aber wir sind besser als Meissen. Und: Die Konkurrenz schadet uns nicht, im Gegenteil. Wir werden Partner suchen, mit denen wir die Märkte erschließen können.

Werden Sie eigene Geschäfte eröffnen?

Das ist nur eine Option. Es gibt aber auch die Möglichkeit, mit Partnern, die Luxusprodukte verkaufen und zu uns passen, zusammenzugehen. Oder in Hotels zu verkaufen.

Was wollen Sie dafür ausgeben?

Wir planen, in den kommenden drei Jahren fünf Millionen Euro in den Vertrieb zu stecken.

Haben Sie dafür Geld?

Seien Sie unbesorgt.

Reicht es auch dann noch, wenn Sie die KPM-Immobilie, in der Sie heute noch zur Miete sitzen, übernehmen können?

Das sind zwei völlig unterschiedliche Finanzierungsfragen, die nichts miteinander zu tun haben. Es ist ohne Probleme möglich, gleichzeitig das Gelände zu erwerben und in den Vertrieb zu investieren.

Was haben Sie mit dem Gelände vor – ein Hotel bauen, um Touristen anzulocken, oder ein Preußen-Disney aufmachen?

Diese Albernheiten werden wir tunlichst vermeiden. Natürlich ist es nützlich, Besucher hierher zu locken. Attraktive Ausstellungsflächen haben wir schon. Auch ein Werksverkauf macht Sinn. Leider steht uns der Berlin-Pavillon im Tiergarten ja nicht mehr zur Verfügung. Wir werden hier Verkaufsräume schaffen. Aber oberste Priorität hat der Auslandsvertrieb.

Als ein kritischer Punkt bei den Verkaufsverhandlungen galten die Pensionszahlungen an die Mitarbeiter. Es hieß, sie müssten dafür zehn bis 15 Millionen Euro aufbringen.

Die Summe ist übertrieben. So lange KPM ein staatliches Unternehmen war, waren die Mitarbeiter in der Versorgungsanstalt des Bundes und der Länder versichert. Jetzt ist die KPM in Privatbesitz, dadurch ergibt sich eine andere Geschäftsgrundlage. Aber alle Beteiligten haben Interesse daran, dass die Mitarbeiter dennoch in der VBL verbleiben. Wir verhandeln derzeit darüber, zu welchen Konditionen das möglich ist.

Sie haben sich beim Kauf verpflichtet, die 170 KPM-Mitarbeiter weiter zu behalten. Wie lange?

Dazu will ich nichts sagen, um die Mitarbeiter nicht zu verunsichern. Aber wir hoffen natürlich, dass die wirtschaftliche Situation es bald möglich macht, den Mitarbeiterkreis zu vergrößern.

Durch ihre Herkunft haben Sie eine besondere Beziehung zu KPM. Welche Rolle hat das beim Kauf gespielt?

Ich bin mit dem Porzellan aufgewachsen, auch wenn unsere Familie im Zweiten Weltkrieg viel davon in Schlesien zurücklassen musste. Sie wissen, dass das Unternehmen vor 241 Jahren von einem meiner etwas bedeutenderen Vorfahren gerettet worden ist vor dem Zusammenbruch...

... von Friedrich dem Großen...

... zwischendurch wurde es vom Staat übernommen. Wie es da gelaufen ist, brauche ich ihnen nicht zu erzählen. Wir wollen es jetzt besser machen oder sagen wir, anders.

Hat KPM in seiner Geschichte denn jemals schwarze Zahlen geschrieben?

Tatsache ist, dass auch in der Zeit, als es meiner Familie gehörte, gelegentlich Zuschüsse nötig waren. Aber ich glaube, wir haben gute Chancen, dauerhaft schwarze Zahlen zu schreiben, wenn wir das Auslandsgeschäft wie geplant ankurbeln.

Müssen die KPM-Kunden fürchten, dass ihr Dekor nicht mehr hergestellt wird?

Traditionspflege spielt für eine Marke wie KPM eine entscheidende Rolle. Selbst in den schwierigen Jahren, als KPM in Staatsbesitz war, wurden erstaunlich viele Serien erhalten. Klar ist auch, dass wir alles einstellen müssen, was uns nachweislich umbringt.

Werden Sie denn neue, moderne Dekore auflegen?

Wir sind da grundsätzlich eher konservativ. Aber wir müssen auch sehen, was der Markt verlangt.

Sie haben den Großteil ihres Lebens im Ausland verbracht: Madrid, London, Südamerika. Was bedeutet für Sie die Rückkehr nach Berlin?

Ich habe immer gerne im Ausland gelebt. Aber als ich 1989 im spanischen Fernsehen gesehen habe, wie die Mauer fiel, war ich am nächsten Tag in Berlin und abends in Potsdam. Meine Vorfahren waren an der Gründung von Berlin ja nicht ganz unbeteiligt, und das ist noch in meiner Seele.

Werden Sie in Berlin oder Potsdam wohnen?

Zunächst aus praktischen Gründen in Berlin. Aber die Beziehung zu Potsdam ist auch sehr stark. Mein Vater ist im Stadtpalais von Potsdam geboren. Das gibt es zwar nicht mehr, aber vielleicht wird es ja wieder aufgebaut.

Wird Ihre Herkunft eine Rolle für die Repräsentation von KPM im Ausland spielen – gerade in den USA gibt es ja eine Faszination für den europäischen Adel?

Darüber würde ich mich nicht besonders ärgern. Aber ich werde meinen Namen nur mit größter Vorsicht einsetzen.

Das Interview führten Alexander Visser und Ursula Weidenfeld.

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