Wirtschaft : „Ich hätte mireinen Wechsel gewünscht“Stimmen aus der Wirtschaft

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Helmut Panke, Vorstandschef der BMW Group: „Von der neuen Regierung erwarten wir den Willen, gegen alle Bedenkenträger mit einem klaren Ziel zu handeln. Dieses Ziel heißt: In Deutschland müssen die wettbewerbsfähigsten Industrien und Betriebe zu Hause sein. Ich kann nur für die Automobilindustrie sprechen. Hier gilt: Um das hohe Innovationstempo halten zu können, und das müssen wir, brauchen wir ein attraktives Umfeld für Investitionen, eine sich für technologische Spitzenleistungen begeisternde Gesellschaft und als Fundament eine realitätsbezogene Bildungspolitik.“

August-Wilhelm Scheer, Gründer und Aufsichtsratschef der IDS Scheer AG: „Ich hätte mir einen Wechsel gewünscht. Das Ergebnis ist eines der schlechtesten, das vorstellbar war. Der Wahlkampf war stark personalisiert und nun müssen die Personen zeigen, was sie können. Besonders Außenminister Fischer ist gefragt, die neuen Grünen-Abgeordneten zu disziplinieren. Es wird keinen großen Aufschrei in der Wirtschaft geben – man muss mit jeder demokratisch gewählten Partei leben können –, doch die Unternehmen werden ihre Konsequenzen ziehen, wenn die Reformen nicht kommen.“

Hubertus Erlen, Vorstandschef der Schering AG: „Alle wissen, dass grundlegende Reformen zur Verbesserung der Wirtschaft notwendig sind. Dies hat die rot-grüne Regierung bisher nicht umgesetzt. Es ist zu hoffen, dass die künftige Koalition dies korrigiert. Zur Pharmabranche: Die rot-grüne Regierung hatte den weiteren Ausbau bürokratischer Mechanismen im Gesundheitswesen angekündigt. Ich hoffe, dass von diesem Irrweg Abstand genommen wird zugunsten der Stärkung marktwirtschaftlicher Prozesse und der Eigenverantwortung der Patienten.“

David Walton, Chefvolkswirt für Europa bei Goldman Sachs: „Die wirtschaftliche Leistung der Regierung war enttäuschend. Auch wenn sie Fortschritte bei Steuern und Renten bewirkte, schreckte sie komplett vor einer Reform des Arbeitsmarktes zurück. Die Schlüsselfrage ist nun, ob die Regierung die Wahl als einen Weckruf versteht. Die beste Hoffnung dafür ist das gute Ergebnis der Grünen: Sie haben ambitioniertere Reformziele und größeren Reformhunger.“

Klaus Fricke, Fiat-Deutschlandchef: „Das Wahlergebnis macht eine baldige Konjunkturbelebung noch schwieriger. Deregulierung, Entbürokratisierung, Steuersenkungen und Flexibilisierung der Arbeitswelt sowie der Sozialsysteme ist für eine rot-grüne Koalition nur schwer machbar gegen die eigenen Wähler. Durch die Abkehr vom multimedialen Polit-Theater hin zur Sachpolitik muss das Vertrauensverhältnis und die Verlässlichkeit gegenüber den USA wieder glaubwürdig hergestellt werden.“ HB

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