Wirtschaft : Ideenbörse für die Chefs von morgen Die Gründertage in den Messehallen

Zu den Gründer- und Unternehmertagen in Berlin werden 10000 Besucher erwartet

Regina-C. Henkel

Im Einheimsen von Wettbewerbstiteln sind Thomas Heßler, Jens Hewald und Heiko Rauch schon beinahe Routiniers. Doch wenn die drei Berliner Informatiker an diesem Freitag mit dem Titel „GründerChampion 2005“ ausgezeichnet werden, ist es auch für sie etwas Besonderes. Erster Gratulant wird nämlich Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement sein. Als Schirmherr der „Deutschen Gründer- und Unternehmertage 2005“ (Degut) kann der Wirtschaftsminister dem Vorstands-Trio der Berliner Zanox.de AG ein Geschenk machen, das auf der Wunschliste von Existenzgründern ganz oben steht: öffentliche Aufmerksamkeit für ihr eigenes Können und in das Know-how ihrer Mitarbeiter sowie Vertrauen in die Zukunftsfähigkeit ihres Produkts oder ihrer Dienstleistung.

Vorbildhafte Existenzgründungen zu prämieren und Jungunternehmern mit innovativen Ideen ein Forum zur Selbstdarstellung zu liefern, sind freilich nur zwei Zielsetzungen der Berliner Kongressmesse Degut, zu der vom 15. bis 17. April rund 10000 Besucher in den Messehallen unter dem Funkturm erwartet werden. Zielgruppengerechte Foren für Gründer und Unternehmer, Informationsstände von Behörden und Dienstleistern sowie eine „Gründerideenmesse“ (GIM), auf der sich 28 noch ganz junge Firmen aus der Region präsentieren, offenbaren indes das Hauptmotiv: Den Berlinern und Brandenburgern soll Appetit auf die berufliche Selbstständigkeit gemacht werden.

Dass die drei Messe-Tage unterm Funkturm unter das Motto „Planvoll gründen & kreativ unternehmen“ gestellt wurden, ist gut überlegt. Die Anmeldung eines Gewerbes oder die Entscheidung, sich als Freiberufler selbstständig zu machen, ist allenfalls der erste Schritt zum erfolgreichen Unternehmer. Hinzu kommen muss die ökonomische Bewährung im Markt. Und dafür sind Beratungen durch Experten oft unverzichtbar, der Erfahrungsaustausch mit anderen Existenzgründern ausgesprochen nützlich. Für beides sollen die Degut ein Forum bieten.

Die Vorausetzungen dafür sind geschaffen: Rund 230 Unternehmen, Behördern, Kammern, Verbände und Gewerbestandorte präsentieren sich in vier Messehallen auf mehr als 5700 Quadratmetern. Im Programm sind mehr als 60 Seminare und Workshops aufgelistet. Und ganz den unterschiedlichen Zielgruppen entsprechend, werden drei große Foren angeboten:

Das Gründerforum wendet sich an alle, die sich für eine Ich-AG interessieren, an künftige Kleinstgründer, Nachfolger und Franchisenehmer. Es folgt der Struktur eines Businessplans.

Im Unternehmerforum beantworten Referenten aus Wissenschaft und Praxis Fragen zum Markteintritt in Mittel- und Osteuropa, zur Steuerung von Vertriebsmannschaften, zu Veränderungsprozessen in Unternehmen, zu E-Business, IT-Sicherheit und Basel II.

Das Expertenforum schließlich beschäftigt sich mit Fragen wie „Gründen Frauen anders?“ oder „Wo liegt die Zukunft der Ich-AG?“. Diese Diskussionsrunden sind anmeldepflichtig.

Die Foren werden vom Businessplan-Wettbewerb Berlin-Brandenburg (BPW) betreut und durch Coaching-Angebote ergänzt. An allen drei Messetagen können Besucher ihre individuellen Fragen und Probleme mit Gründungsspezialisten besprechen. Die Patent- und Rechtsanwälte, Steuerberater, Marketingexperten, Unternehmensberater und Finanziers kommen aus dem Beraterpool der KfW-Bankengruppe und des Businessplan-Wettbewerbs. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich und die Teilnahme ist kostenlos.

An den zehn Euro Eintritt für den Besuch des Messegeländes muss das Coaching-Gespräch auch nicht scheitern. Die Investitionsbank des Landes Brandenburg spendiert jedem, der ihre Homepage www.ilb.de besucht und auf den richtigen Link klickt, eine kostenlose Eintrittskarte. Ein weiterer der insgesamt 16 Gründerchampions, Oliver Enderlein, hätte diese Chance vor fünf Jahren sicher genutzt. Damals war er 15 Jahre alt und bastelte an dem Plan, Deutschlands fantasielose Carport-Architektur aufzupeppen. Als Druckerlehrling investierte er sein Gehalt in eine Sekretärin, die ihn bei der Marktanalyse, Lieferanten- und ersten Kundenkontakten unterstützte. Heute ist Enderlein gerade einmal 20 Jahre alt und Geschäftsführer der Dacapo Holzbau GmbH in Eggersdorf bei Straßberg. Bundesweit zehn Niederlassungen bearbeiten monatlich bis zu 5000 Kundenanfragen aus Deutschland, Österreich, Schweden und der Schweiz. Pfingsten wird eine zusätzliche Niederlassung am Gardasee eröffnet. Den bereits jetzt erreichten Status als Geschäftsführer von „Deutschlands größter Carport-Firma“ will Enderlein gerne noch toppen.

Vielleicht wird er es einst auch in den „Walk of Fame“ schaffen. In der Degut-Galerie werden Gründer aufgenommen, die durch besondere Tatkraft und Optimismus hervorstechen. Ludger Matuszewski, der Gründer von Velotaxi, ist einer von ihnen.

Noch nicht sicher ist dagegen, welcher der „GründerChampions 2005“ das Jahresleasing eines BMW der 1er Baureihe gewinnt. Auch für das Vorstands-Trio der Zanox.de AG ist da noch einiges zu holen. Das von Thomas Heßler, Jens Hewald und Heiko Rauch gegründete Unternehmen ist auf erfolgsbasierten Multichannel-Commerce spezialisiert. Die Kunden zahlen also nur, wenn ihr Produkt oder ihre Dienstleistung tatsächlich verkauft wird. Das gelingt mit so großem Erfolg, dass das Berliner Unternehmen inzwischen europäischer Marktführer ist. Doch bis Jahresende will das Gründertrio die 60 Mitarbeiter zählende Belegschaft auf 100 Angestellte aufstocken, um den US-amerikanischen Markt in Angriff zu nehmen. Ein gemeinsames Foto mit dem Bundeswirtschaftsminister kann dabei ganz gewiss nicht schaden.

Die Degut, die Deutschen Gründer- und Unternehmertage, finden vom 15. bis 17. April in den Messehallen unterm Funkturm statt (Hallen 12, 13, 14.1 und 15.1, Eingang Ost, Messedamm gegenüber ICC). 230 Aussteller bieten Produkte, Ideen und Informationen rund um das Thema Selbstständigkeit. In einem Rahmenprogramm werden rund 60 Seminare und Workshops angeboten. Der Sonntag ist erstmals „Kulturtag“ . Bühnen- und Seminarangebote sind an diesem Tag insbesondere auf Unternehmen aus der Kulturwirtschaft zugeschnitten.

Geöffnet ist am Freitag und Samstag von 10 bis 18 Uhr. Am Sonntag von 10 bis 16 Uhr. Eine Tageskarte kostet 10 Euro, eine Dauerkarte 20 Euro, Studenten zahlen 5 Euro. Für Arbeitslose, Schüler und Sozialhilfeempfänger ist der Eintritt frei. Erwartet werden wie in den vergangenen Jahren rund 10000 Besucher. rok

Weitere Infos im Internet:

www.degut.de

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