iEverything : Wie Berliner Gründer Geschäftsideen austauschen

Mit Bionade und iPad: Das Berliner Betahaus kürt die beste Geschäftsidee. Der Gewinner darf einziehen und wird beraten.

Laura Höflinger
Freie Arbeitsplätze für freie Kreative im Betahaus in Kreuzberg.
Freie Arbeitsplätze für freie Kreative im Betahaus in Kreuzberg.Foto: Kitty Kleist-Heinrich

Berlin - Es ist eine Art Casting-Show für Gründer. Zu gewinnen gibt es einen Schreibtisch samt Stuhl für sechs Monate und dazu die Hilfe von Profis, um aus einer guten Idee echtes Geld zu machen. „Es ist das Rundum-Sorglos-Paket für Start-Ups“, sagt Madeleine von Mohn. Sie ist an diesem Abend eine der Moderatorinnen der Casting-Show, die eigentlich keine ist, sondern vielmehr ein öffentlicher Pitch. Der Begriff wird in der Werbebranche verwandt, wenn Agenturen um große Aufträge kämpfen. Wer das beste Konzept vorstellt, bekommt das Geschäft. Dahinter stecken die sechs Gründer vom Betahaus in Berlin-Kreuzberg, Treffpunkt und Arbeitsgemeinschaft für Freiberufler.

Zwölf Teams treten dort diesmal gegeneinander an. Sie haben jeweils fünf Minuten Zeit, um sich und ihr Projekt vorzustellen. Am Ende gewinnt eine Software für Apples iPhone, die der Gastronomie die Arbeit leichter machen soll. Momentan testet der Münchner Club P1 das Programm. Jede der Bars kann über das Handy neue Getränke nachbestellen. „Bislang lief das über Zettel oder veraltete Kassensysteme“, sagt der 26-jährige Entwickler Bastian Schmidtke. Sein Programm „Orderbird“ sei weniger störanfällig. Ab nächstem Jahr soll sein Produkt dann in Serie gehen.

Zuvor werden er und sein Team ein halbes Jahr kostenlos gecoacht: Ein Anwalt wird mit ihnen ihren ersten Vertrag durchgehen, ein Buchhalter hilft bei der Steuererklärung, Experten sorgen für einen gelungenen Internetauftritt und eine Verkaufsstrategie. Außerdem bekommt das Team ein Büro im Betahaus. Schmidtke konnte offenbar überzeugen: Am Ende wählt ihn das Publikum unter den vier Favoriten der Jury zum Sieger.

Der Andrang zu sehen, wie die Teams um den Preis kämpfen, ist groß. Bis in den Eingang stehen die Besucher. Es wirkt, als treffe sich hier die Berliner Gründerszene. Ihre Mitglieder stehen zusammen, nippen an ihrer Bionade und tippen auf ihren iPhones. Viele von ihnen tragen schwarze Rahmenbrillen und Schals. Einer von ihnen nennt sich einen „iPhone, iPad, iEverything-User“. Es wirkt wie eine abgeschlossene Welt für sich. Doch ihre Bewohner haben auch Ideen, die nicht nur aufs Geschäft zielen, wie der Pitch zeigt: Drei junge Männer wollen Kaffee aus Äthiopien über das Internet zu einem fairen Preis verkaufen. Ein Großteil der Einnahmen fließt jedoch gleich wieder zu den Kaffeebauern zurück. Mit den Bauern planen die Macher dann mit Geld soziale Projekte vor Ort. Coffee Circle heißt ihr Geschäft: ein Kreislauf, der den Weltmarktpreis für Kaffee umgehen soll. Wieder andere planen, Bestellungen für Solaranlagen im Internet zu bündeln und dann einen Gruppenrabatt beim Hersteller auszuhandeln. „WeNewable“ haben die beiden Physiker ihr Projekt genannt. Am Ende kommen sie auf den zweiten Platz, aber weil die Entscheidung so knapp ausfällt, bekommen auch sie einen Tisch im Betahaus.

Dort sollen bald noch mehr Start-Ups einziehen. Im vierten Stockwerk sollen viele Büros entstehen. „Unser Traum ist, dass wir jedes halbe Jahr einen Betapitch haben, die Leute sechs Monate fit machen und dann wieder rauswerfen“, sagt Mohn. Läuft alles nach Plan, entstehen bald neben den Standorten Berlin und Hamburg neue Betahäuser in Köln, Sofia und Lissabon.

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