Wirtschaft : IFA 2001: Arcor lässt die Telefonmarke Otelo sterben

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Der Telefonanbieter Arcor wird die Marke Otelo vom Markt nehmen und deren Aktivitäten weitgehend in das eigene Geschäft integrieren. "Die Zeiten für eine Zwei-Marken-Politik sind vorbei", sagte Harald Stöber, Vorstandsvorsitzender von Arcor, am Donnerstag in Berlin. Der Aufsichtrat des Unternehmens habe am Mittwoch einen entsprechenden Entschluss gefasst. Als Grund nannte Stöber die hohen Kosten von rund 40 Millionen Mark jährlich, die durch die Pflege einer zweiten Marke entstehen.

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IFA 2001 - Technik, Tipps und Trends Ursprünglich hatte Arcor geplant, Otelo als Billiganbieter für preisgünstige Telefongespräche zu etablieren. Mit der Marke Arcor sollten neben Endkunden auch Geschäftkunden und Firmen angesprochen werden. Diese Strategie ist nicht aufgegangen. "Marktanalysen zeigen, dass der Unterschied zwischen den Marken von den Kunden kaum wahrgenommen wird", sagte Stöber. Es mache daher keinen Sinn, in eine zweite Marke zu investieren. Mit der Maßnahme will Stöber bis Mitte 2002 rund 90 Millionen Euro einsparen. Alle 550 Mitarbeiter von Otelo werden zum 1. Januar 2002 von Arcor übernommen. "Entlassungen schließe ich aus", sagte Stöber. Arcor wolle weiter wachsen und brauche dabei jeden Mitarbeiter. Viele Neueinstellungen werde es aber in der nächsten Zukunft nicht geben. Essen und die Otelo-Zentrale in Köln bleiben als Standorte bestehen.

Zwar wird die Marke Otelo verschwinden, die 1,3 Millionen Kunden sollen das aber kaum merken. Sämtliche Tarife und Gebühren bleiben gleich. Die bei den Telefonkunden bekannte Call-by-Call-Nummer von Otelo 01011 bleibt erhalten. Erste personelle Konsequenz ist der Rauswurf von Otelo-Vertriebschef Siegfried Römer, denn sein Job wird überflüssig. Alleiniger Vertriebsleiter wird Klaus Thiemann, der bisher nur für den Arcor-Vertrieb zuständig war.

Im ersten Halbjahr 2001 erwirtschaftete die Arcor-Gruppe einen Umsatz von 793 Millionen Euro. Im entsprechenden Vorjahreszeitraum waren es noch 802 Millionen Euro. Der Umsatzrückgang war laut Stöber im wesentlichen auf das schwache Geschäft bei Otelo zurückzuführen. Der Kölner Telefonanbieter erlöste rund 47 Millionen Euro weniger als im Jahr davor, obwohl die Kundenzahl um 110 000 gestiegen ist. Grund dafür ist der starke Preisverfall für Ferngespräche und Internetanschlüsse.

Scharfe Kritik übte Arcor-Chef Stöber an der Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post. Das neue Kundenbindungsprogramm "Happy Digits" der Telekomverzerre den Wettbewerb. Durch das neue Angebot könne die Telekom Festnetz-, Mobilfunk- und Internet-Angebote bündeln und so die Konkurrenz vom Markt fernhalten. "Die Bonner Behörde hätte dem neuen Tarif eine Absage erteilen müssen", sagte Stöber. Arcor gehört mehrheitlich zum britischen Mobilfunkkonzern Vodafone. Arcor war im Zuge der Übernahme von Mannesmann an Vodafone gegangen.

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