Wirtschaft : IFA 2001: "Der Fernseher wird zur Schaltzentrale in der Wohnung"

Herr Hecker[gibt es einen Megatrend auf der IFA 2]

Rainer Hecker ist Chef des Fernsehherstellers Loewe und Vorsitzender der GFU, die die IFA veranstaltet.

Herr Hecker, gibt es einen Megatrend auf der IFA 2001?

Eines der wichtigsten Themen ist das Zusammenwachsen von Internet und dem klassischen Rundfunk, also Radio und Fernsehen. Ein zweites großes Thema ist die Mobilität. Über den neuen Mobilfunkstandard UMTS können wir in Zukunft nicht nur Sprache, sondern auch Daten und Bilder übertragen.

Welche Rolle spielt das Thema Breitband-Internet?

Breitband ist eine treibende Kraft auf dem Multimedia-Markt, denn es ermöglicht ganz neue Anwendungen. Neben schnellem Internet zum Beispiel das Abrufen von Filmen oder das Herunterladen von Spielen. Auch die Bildtelefonie wird mit Breitband in bester Qualität möglich sein.

Wie wird sich der Fernseher verändern?

Es wird mehr Geräte geben, die klassisches Fernsehen und Internet empfangen können. Damit erreichen wir auch viele Menschen, die bisher Scheu vor dem Internet hatten, weil sie nicht mit einem PC umgehen können. Ich erwarte, dass das Internet bald den Videotext ergänzt und fester Bestandteil des Fernsehers wird.

Wie teuer werden diese Kombigeräte sein?

Nicht viel teurer als der Fernseher heute. Mit steigender Nachfrage sinken auch die Preise, das war beim Videotext auch so. Bis es soweit ist, wird es aber noch drei bis fünf Jahre dauern. Heute müssen sie noch rund 1000 Mark für die Zusatzfunktionen in den Geräten zahlen.

Gibt es heute schon Angebote, die Internet und Fernsehen miteinander verbinden?

Wir haben zusammen mit dem ZDF eine Lösung entwickelt. Wenn Internet-Adressen im laufenden Programm eingeblendet werden, kann der Zuschauer mit einem Klick auf die Fernbedienung eine Internet-Seite aufrufen. In der nächsten Stufe können sie über die Online-Verbindung sogar einkaufen. Wenn sie zum Beispiel einen Bericht über eine Schlemmerreise nach Italien sehen, können sie parallel dazu im Internet den Wein bestellen oder die Reise in die Toskana buchen.

Wie sieht denn der Fernseher der Zukunft aus?

Der Fernseher der Zukunft wird zur Schaltzentrale im Haushalt, der mit der gesamten Haustechnik vernetzt ist. Das TV-Gerät übernimmt dann die Türeingangskontrolle, die Heizungs- und Klimasteuerung oder das Herauf- und Herunterfahren der Jalousien. Bevor sie ins Bett gehen, wird sie der Fernseher daran erinnern, dass sie noch die Heizung herunter drehen oder die Alarmanlage aktivieren müssen.

Wie lange werden wir in der schönen neuen Fernsehwelt vor der Glotze sitzen?

Das muss nicht länger als heute sein. Es liegt am Anwender selbst, ob er durch alle 400 Programme zappt oder ob er sich einzelne Filme oder Berichte auswählt und dann anschaut. Die Vielfalt nimmt zu - die Anforderungen an den Anwender auch. Aber jedes Gerät hat weiterhin noch einen Knopf zum Ausschalten.

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