Ifa : Superlative und ein Lächeln

Von wegen Krise: Die Internationale Funkausstellung übertrifft die Ergebnisse des Vorjahres und zählt 228 000 Besucher.

Daniel Stender

Berlin - Mehr Besucher und mehr Aufträge für die Aussteller: Die 49. Funkausstellung in Berlin endete am Mittwoch unerwartet als eine Messe der Superlative. „Angesichts der Krise waren wir im Vorfeld natürlich vorsichtiger und gespannter als im letzten Jahr“, sagte Roland Stehle, Sprecher der Gesellschaft für Unterhaltungs- und Kommunikationselektronik GfU, einer der Messeveranstalter. „Nun gehen wir mit einem Lächeln von der Ifa.“ Insgesamt strömten in den vergangenen fünf Tagen mehr als 228 000 Besucher auf das Messegelände unterm Funkturm: rund acht Prozent mehr als im Vorjahr. Auch die Aussteller waren guter Laune: Sie nahmen nach Ifa-Angaben Bestellungen für mehr als drei Milliarden Euro in ihre Bücher. Damit übertraf das Ordervolumen das ohnehin schon gute Vorjahresergebnis.

Ulrich Twiehaus, Marketingleiter bei Siemens-Hausgeräte, zog ebenfalls eine positive Bilanz: „Wir haben mehr Aufträge als im vergangenen Jahr, und der Handel ist für Neuheiten sehr aufgeschlossen.“ Der große Trend seien nach wie vor neue Geräte mit geringem Wasser- und Energieverbrauch. Für Siemens- Geschäftsführer Roland Hagenbucher waren es besonders die Schwerpunkte Energieeffizienz und Umweltbewusstsein, die Besucher auf die Messe gezogen haben. Für ihn sei die Ifa die „Leitmesse für die weiße Ware“. Auch bei der Unterhaltungselektronik sind die Aussteller zufrieden: Philips meldete mehr Aufträge als im vergangenen Jahr. Sprecher Klaus Petri erklärt das gute Messeergebnis mit dem Cocooning-Effekt, also dem Rückzug der Menschen ins Private: „Gerade in der Krise verzichten die Verbraucher eher auf eine Urlaubsreise als auf einen neuen Fernseher oder ein neues Küchengerät.“ Allerdings leide der Umsatz der Unternehmen unter dem gegenwärtigen Preisverfall: „Die Stückzahl der verkauften Geräte steigt, der Umsatz ist leicht rückläufig“, sagte Petri.

Im Trend liegen flache und großformatige TV-Geräte. Auch an Fernsehern mit einer Bildschirmdiagonale von 132 Zentimetern gebe es ein großes Interesse, sagte Frank Bolten, Geschäftsführer des Herstellers Sharp. Zudem sei das neue Abspielformat Blue-ray sehr gefragt.

Der Markt für Unterhaltungselektronik, Informationstechnik und Telekommunikation wächst: In diesem Jahr sollen sich die Gesamtausgaben laut Angaben der Gesellschaft für Konsumforschung GfK voraussichtlich auf 494 Milliarden Euro belaufen: Das wären zwei Prozent mehr als 2008. Allerdings findet dieses Wachstum besonders in Japan, Afrika und China statt. Für Nordamerika und Europa wird ein Rückgang von drei beziehungsweise fünf Prozent erwartet.

Gegenläufig zu dieser Entwicklung sieht Jürgen Boyny von der GfK die Kauflaune der Deutschen. So seien im ersten Halbjahr 2009 mehr Fernsehgeräte verkauft worden als im vergangenen Jahr. „Obwohl damals die Fußball-EM lief“, sagte Boyny. Das einst für Deutschland typische zurückhaltende Konsumverhalten könne er nicht mehr entdecken. Die Ursachen sehe er in Regierungsprogrammen wie der Wiedereinführung der vollen Pendlerpauschale oder dem erhöhten Kindergeld. Auch die noch immer niedrige Arbeitslosenquote sieht der Experte als eine Erklärung. Ironischerweise deutet Boyny gerade die hohe Sparquote der Deutschen als Kaufimpuls: Bei den momentan niedrigen Zinsen gebe der Bürger sein Geld lieber aus, als es auf die hohe Kante zu legen.

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