Wirtschaft : Ifo: Frankreich steuert gefährlichen Euro-Kurs

Paris nimmt Stabilität nicht ernst

MÜNCHEN (rtr).Frankreich wird nach Einschätzung des Münchener Ifo Instituts 1997 das Defizitkriterium für den Euro knapp verfehlen.Die Überschreitung des Referenzwerts von drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) werde aber "nicht sehr stark ausfallen und soll 1998 eliminiert werden", schreibt das Institut.Alle anderen Euro-Kriterien werde Frankreich erfüllen.Weitaus bedenklicher sei aber die Einstellung in Frankreich zum Stabilitätsgebot und zur Unabhängigkeit der Europäischen Zentralbank. Das Ifo-Institut merkt daher an, es werde in Frankreich "immer deutlicher, daß man zwar uneingeschränkt zur Europäischen Währungsunion (EWU) und zum Euro steht, daß aber die EWU mit einer weichen Auslegung der Beitrittskriterien und einer möglichst großen Zahl von Mitgliedern starten soll".Hinter dem Eintreten für eine möglichst große Zahl von EWU-Mitgliedern, insbesondere für die Teilnahme von Spanien und Italien, steht laut Ifo die Befürchtung, daß beide Länder über eine Abwertung ihrer Währungen französischen Produkten unerwünschte Konkurrenz machen könnten.Das Verfechten eines "weichen" Euro habe den Hintergrund, daß Frankreich konjunkturelle und strukturelle Probleme weiterhin über eine abwertungsbedingte Exportsteigerung möglichst schonend beheben wolle. Das Ifo-Institut gesteht der neuen französischen Regierung aber zu, daß sie mit ihrem finanzpolitischen Paket vom Juli eine Defizit-Entwicklung in Richtung 3,5 bis 3,7 Prozent des BIP stoppen will.Nunmehr werde ein Wert von 3,1 bis 3,3 Prozent angepeilt.Die wirtschaftspolitischen Vorstellungen der neuen Regierung seien aber generell "ziemlich diffus".Für 1997 rechnen die Wirtschaftsforscher mit einem Wachstum in Frankreich von zwei bis 2,5 (Vorjahr 1,5) Prozent.Auch 1998 werde das Wachstum gut 2,5 Prozent betragen.Insgesamt werde sich die Aufwärtsentwicklung von Nachfrage und Produktion festigen, die Investitionen würden steigen und die Arbeitslosenquote 1998 unter zwölf Prozent fallen. Auch in der westdeutschen Industrie hat sich nach einer weiteren Studie des Ifo-Instituts der Aufwärtstrend verfestigt.Die Kapazitätsauslastung sei zur Jahresmitte auf durchschnittlich 85,5 Prozent von 84,8 Prozent Ende des ersten Quartals gestiegen.Dies sei der höchste Wert seit zwei Jahren.Da auch die Auftragsbestände stiegen, deute alles auf weitere Produktionssteigerungen hin, stellt Ifo fest.Schlechter sehe es dagegen im Großhandel aus, wo die Investitionen zurückgeschraubt würden.

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