Wirtschaft : Ifo: Im Osten notfalls die Löhne senken

Institut erwartet 140 000 neue Stellen - aber nur im Westen

DRESDEN (AP/dpa/rtr).Das Ifo-Institut rechnet im nächsten Jahr mit 140 000 neuen Arbeitsplätzen.Das sagte der Präsident des Konjunkturforschungsinstituts, Karl Heinrich Oppenländer, am Dienstag bei der Vorstellung der halbjährlichen Wirtschaftsanalyse in Dresden.Allerdings seien neue Stellen nur in Westdeutschland möglich.In den neuen Ländern sei eine solche Entwicklung für die nächsten Jahre nicht zu erwarten. Der positive Beschäftigungstrend in Westdeutschland wird Oppenländer zufolge vom Wirtschaftswachstum getragen, das im nächsten Jahr zwischen 2,5 und drei Prozent liegen werde.Für dieses Jahr erwarten die Münchner Wirtschaftsforscher ein Plus von rund 2,2 Prozent.Konjunkturmotor sei vor allem die gestiegene Exporttätigkeit der Wirtschaft."Dem steht zur Zeit allerdings noch eine schwache Binnennachfrage gegenüber", räumte Oppenländer ein.Allerdings sei auch hier eine Trendwende zu erwarten, die aber nur langsam vorankomme. Kritisch setzte sich Oppenländer mit den Verhältnissen in Ostdeutschland auseinander.Größtes Hindernis für einen schnellen Anpassungsprozeß seien nach wie vor zu hohe Lohnkosten und die zu geringe Kapitalintensität der Betriebe."Wenn sich das nicht ändert, wird Ostdeutschland noch in den nächsten Jahren von den Transferzahlungen aus Westdeutschland abhängig bleiben." Derzeit habe die Produktivität in Ostdeutschland erst 57 Prozent des westdeutschen Niveaus erreicht.Das werde sich auch in den nächsten Jahren nicht ändern. Damit der Aufholprozeß wieder in Gang kommt, dürfen nach Einschätzung Oppenländers die Löhne nicht länger über der Produktivität der Betriebe liegen."Deshalb fordern wir für die nächsten Jahre eine Nullrunde in Ostdeutschland." In Krisenbranchen wie der ostdeutschen Bauwirtschaft und in Krisenregionen könnten sogar nominale Lohnsenkungen erforderlich sein, um Arbeitsplätze zu erhalten, argumentiert das Ifo-Institut.Eine derartige Lohnpolitik werde dadurch abgemildert, daß die Kaufkraft der D-Mark in den neuen Bundesländern noch immer höher ist als im Westen.Damit das Wachstum in Ostdeutschland wieder an Fahrt gewinne, müsse außerdem die noch vorhandene technologische Lücke geschlossen werden.

Mehr lesen? Jetzt gratis E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar