Ifo-Index fällt : Anti-Krisen-Politik lässt deutsche Unternehmen kalt

Während die Verbraucher nicht das Gefühl haben, dass die Wirtschaftskrise durchschlägt, fürchten Unternehmen den Abschwung. Volkswirte sind überrascht.

Deutsche Unternehmen sind nicht so optimistisch wie von vielen Experten erwartet.
Deutsche Unternehmen sind nicht so optimistisch wie von vielen Experten erwartet.Foto: dapd

Positive Signale in der Schuldenkrise haben die Stimmung in den deutschen Unternehmen nicht verbessern können. "Die bremsenden Einflüsse dominieren weiter, vor allem im Export", sagte Klaus Wohlrabe, Konjunkturexperte beim Münchner Ifo-Institut, am Montag.

Vor allem im Ausland gebe es noch viele negative Signale. "Die Lage ist weiter gut, klar über dem Durchschnitt. Der Ausblick verschlechtert sich aber, ist so schlecht wie seit Mai 2009 nicht mehr."

Der Ifo-Index für das Geschäftsklima fiel im September überraschend auf 101,4 (Vormonat: 102,3) Punkte. Von Reuters befragte Analysten hatten im Schnitt mit einem leichten Plus auf 102,5 Zähler gerechnet.

Allerdings sei die Hälfte der Antworten bei der monatlichen Umfrage vor dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts eingegangen, das den Weg für den dauerhaften Euro-Rettungsschirm ESM freigemacht hat.

Zuvor hatte schon die Europäische Zentralbank (EZB) mit ihrer Ankündigung, notfalls unbegrenzt Staatsanleihen der Krisenländer aufkaufen zu wollen, für einen Aufschwung an den Börsen gesorgt. Bei den Firmen kommt das Wohlrabe zufolge aber nicht an: "Das lässt sie kalt. Sie schauen auf ihre Produktionszahlen."

Das Urteil habe aber zumindest wie eine "kurzfristige Beruhigungspille" gewirkt. Bei einem anderen Richterspruch hätte der Ifo-Index noch viel stärker abstürzen können. Die Krisenländer hätten weiterhin einen langen Weg vor sich. "Die Reformen müssen noch umgesetzt werden."

Experten fürchten durch die lockere Geldpolitik in den USA und Europa mittelfristig die Gefahr einer höheren Inflation. Zuletzt waren die Benzin- und Nahrungsmittelpreise, allerdings zum großen Teil aus anderen Gründen, schon deutlich gestiegen. "Das ist noch kein Problem für die Firmen", sagte Wohlrabe.

Die deutsche Konjunktur habe zwar zuletzt an Dynamik verloren, der private Verbrauch bleibe aber ein Stütze. "Der Konsum ist relativ robust gewesen, gut bei langlebigen Gütern, der Einzelhandel leicht erholt. Die Konsumenten haben nicht das Gefühl, dass die Krise sie persönlich trifft."

Das liege an den hohen Lohnabschlüssen und dem noch guten Arbeitsmarkt. Letzterer trübe sich allerdings etwas ein. An einem Stellenaufbau sei nicht mehr denken. (rtr)

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