Wirtschaft : Ifo-Index: Geschäftsklima kühlt überraschend ab

Der überraschend schwach ausgefallene Ifo-Geschäftsklima-Index deutet offenbar auf eine Verlangsamung des konjunkturellen Aufschwungs in Deutschland hin. Nach den am Dienstag vom Münchner Ifo-Institut vorgelegten Konjunkturdaten sank der Geschäftsklima-Index in Westdeutschland im Juli auf 99,1 von 100,4 im Juni und erreichte den tiefsten Stand seit November 1999. Ifo-Volkswirt Gernot Nerb sagte, es sei noch zu früh, um von einer Trendumkehr zu sprechen. Von daher wird an den Finanzmärkten weiter eine deutliche Leitzinserhöhung Ende August oder Mitte September durch die Europäische Zentralbank (EZB) erwartet. Aus dem Bietungsverhalten der Banken ergab sich bereits beim Zinstender am Dienstag ein Zuteilung ab 4,47 Prozent, die über dem Mindestbietungssatz von 4,25 Prozent lag.

Volkswirte hatten in einer Umfrage einen Anstieg des Geschäftsklima-Index für Westdeutschland auf 101,3 Punkte prognostiziert. Bankenvolkswirte sagten, trotz des zweiten Rückgangs in Folge sei der konjunkturelle Aufschwung in Deutschland weiter intakt. Nerb erklärte, dieser Rückgang könnte ein Zeichen für die EZB sein, mit einer weiteren Zinsanhebung noch zu warten, falls es auch in anderen Euro-Ländern zu Rückschlägen kommen sollte.

Der Ifo-Geschäftsbeurteilungsindex in Westdeutschland fiel im Juli auf 93,3 (Juni 94,3). Der Index für die Geschäftserwartungen in den alten Ländern blieb allerdings weiter hoch mit 105,0 (106,5). In den neuen Bundesländern ging der Geschäftsklima-Index nur leicht auf 105,4 (105,7) zurück. Auch der Index der Geschäftserwartungen glitt im Osten nur leicht ab, und zwar auf 123,4 von 125,0 im Juni. In den neuen Bundesländern stieg der Index der Geschäftsbeurteilung auf 88,3 (87,6). "Es könnte sich um eine temporäre Abschwächung handeln", sagte Nerb. Das Ifo-Institut spreche erst dann von einer Trendwende, wenn der Index dreimal hintereinander zurückgehe. Für die nächste Zukunft rechne er mit einem Anstieg des privaten Verbrauchs, sagte Nerb weiter.

Die EZB teilte am Dienstag bei ihrem als Zinstender ausgeschriebenen Hauptrefinanzierungsgeschäft mit 14 Tagen Laufzeit 113 Milliarden Euro ab einem Zinssatz von 4,47 Prozent zu. Der gewichtete Durchschnittszinssatz betrug sogar 4,50 Prozent. Die EZB schürt nach Ansicht der Geldhändler die Erwartung einer Zinserhöhung und deshalb nehme der Markt diese vorweg. In den Terminsätzen sei durchgehend bereits eine Anhebung des Mindestbietungssatzes von 30 Basispunkten eingepreist. "Nach dieser Zuteilung ist die Wahrscheinlichkeit fast größer, dass die EZB Mitte September den Satz um 50 Basispunkte anheben wird", sagte ein Händler.

Beim Zinstender gibt die EZB lediglich den Mindestbietungssatz vor und die Banken müssen sowohl die Menge als auch den Zinssatz nennen, zu dem sie für zwei Wochen Liquidität von der Notenbank wünschen. Deshalb hat das Bietungsverhalten der Banken Einfluss auf das Zinsniveau. Beim Mengentender hingegen gibt die Notenbank Menge und Zuteilungszinssatz vor.

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