Ifo-Index : "Silberstreif am Konjunkturhorizont"

Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft hat sich im Juli überraschend deutlich aufgehellt. Der Ifo-Geschäftsklimaindex stieg von 93,3 Punkten im Juni auf nun 95,0 Punkte.

München (26.07.2005, 13:42 Uhr) - Die deutsche Wirtschaft macht sich nach der langen Flaute wieder Hoffnungen auf eine Belebung der Inlandsnachfrage und blickt zuversichtlicher in die Zukunft. Der Ifo-Geschäftsklimaindex verbesserte sich im Juli überraschend deutlich von 93,3 auf 95,0 Punkte, teilte das Ifo Institut für Wirtschaftsforschung am Dienstag in München mit. Nach einer zuvor monatelangen Talfahrt war dies der zweite Anstieg des Konjunkturbarometers in Folge. «Ein erster Silberstreif am Konjunkturhorizont ist zu sehen», erklärte Ifo-Chef Hans-Werner Sinn. Viele Experten hatten einen weniger deutlichen Anstieg prognostiziert.

Der Ifo-Index basiert auf einer monatlichen Umfrage unter rund 7000 Unternehmen und gilt als wichtigster Frühindikator der deutschen Wirtschaft. Getragen wurde der Stimmungsaufschwung im Juli vor allem von spürbar besseren Geschäftserwartungen für die kommenden Monate. Der entsprechende Erwartungsindex kletterte von 92,9 auf 95,0 Punkte, der Lage-Index legte von 93,7 auf 94,9 Punkte zu. An den Börsen zog das Konjunkturbarometer den Deutschen Aktienindex ins Plus, für einen durchgreifenden Aufwärtstrend reichte es aber nicht. Am Mittag notierte der DAX zeitweise um knapp 0,3 Prozent im Plus bei 4856 Punkten.

Besonders zuversichtlich für die kommenden Monate zeigten sich die Industrie und der Großhandel. Vor allem im Investitionsgüterbereich hätten sich die Aussichten verbessert, und dies, obwohl die bereits seit längerem guten Exporterwartungen nur vergleichsweise geringfügig angestiegen seien, sagte Ifo-Chefvolkswirt Gernot Nerb der dpa. «Es gibt erste Anzeichen, dass die Inlandskonjunktur anspringt.» Auch im krisengeschüttelten Baugewerbe habe sich das unterkühlte Klima leicht erwärmt. Es sei aber noch zu früh, einen stabilen Aufschwung auszurufen. «Unsere Faustregel ist, dass der Index drei Mal ansteigen muss, bevor wir sagen: Der Aufwärtstrend ist gefestigt.»

Allein der Einzelhandel zeigte sich im Juli für die kommenden Monate skeptischer. Möglicherweise sei dafür die Diskussion um eine Erhöhung der Mehrwertsteuer verantwortlich, vermutete das Institut. Im Vergleich der alten und neuen Bundesländer hellte sich die Stimmung in Ostdeutschland weniger deutlich auf.

Die Aussichten auf Bundestagsneuwahlen haben die Umfrageergebnisse nach Einschätzung Nerbs nicht wesentlich beeinflusst. Bereits 1982 habe man erlebt, dass sich die Stimmung in der deutschen Wirtschaft vor einer entsprechenden Entscheidung nur wenig bewegt habe. «Erst als die Entscheidung da war, haben wir einen Schub gesehen.» Im Hinblick auf die hohen Ölpreise sei mittlerweile offenbar ein gewisser Gewöhnungseffekt eingetreten, auch wenn die Preise noch immer höher lägen, als von den Unternehmen kalkuliert. Für den Arbeitsmarkt erwartet Nerb erst mittelfristig positive Auswirkungen, wenn sich der Aufwärtstrend fortsetzen sollte. (tso)

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