Wirtschaft : IG BAU orientiert sich an Europa

FRANKFURT (MAIN) (fk/HB).Die IG Bauen- Agrar-Umwelt sieht sich auf dem Weg zu einer abgestimmten Tarifpolitik in Europa weiter als die große IG Metall."Daß es kein europäisches Streikrecht gibt, schreckt uns nicht", erklärte der stellvertretende IG-BAU- Vorsitzende Ernst-Ludwig Laux.Seinen Angaben zufolge hat die deutsche Gewerkschaft mit einer Reihe von Nachbar-Gewerkschaften begonnen, "außerhalb der reinen Lohnpolitik" Ziele und Schritte für tarifliche Teilbereiche abzustimmen."Um sie durchzusetzen, können wir auf das nationale Arbeitskampfrecht zurückgreifen", sagte Laux.

Ansatzpunkte für Annäherungen an eine europäische Tarifpolitik sind die tarifvertraglich vereinbarten Bau-Sozialkassen, die es - verschieden ausgestaltet - fast überall in Europa gibt.Ein konkreter Anfang ist, wie Laux erklärte, im Bereich der Urlaubskassen und damit in Bezug auf das Urlaubsgeld geschafft.Hier hätten die Baugewerkschaften von Deutschland, den Niederlanden, Frankreich und Österreich bereits Abkommen mit den jeweils zuständigen nationalen Arbeitgeberorganisationen als den Finanziers des Urlaubskassenverfahrens geschlossen.In Italien und Belgien stünden Regelungen kurz bevor.

Auf der Ebene der Europäischen Förderation der Bau- und Holzarbeiter vorgenommene Vergleiche haben - wie Laux erläuterte - zum Beispiel zutage gefördert, daß die holländischen Bauarbeiter zwar fünf Wochen Urlaubsanspruch besitzen, die deutschen sechs, daß aber unter Einbezug aller Nebenregelungen gleiche Verhältnisse herrschen.Daher hätten sich die Tarifparteien darauf verständigt, daß holländische Arbeitgeber für die in Deutschland beschäftigten Niederländer nicht mehr in die deutsche, sondern in die holländische Urlaubskasse einzahlen.Für die Deutschen gilt dies umgekehrt.

Aus Gewerkschaftsicht erschweren solche Vergleiche und Kontrakte "die Tendenz zum Sozialdumping", die Arbeitgeber hätten den Vorteil, daß "der Bürokratismus eingeschänkt wird".Laux machte klar, daß bei den Abstimmungen zwischen den Gewerkschaften letztlich jeweils die für die Arbeitnehmer "beste Regelung" als Ziellinie dienen soll.Angestrebt würden daher Abkommen auch für Bereiche, die in manchen Ländern noch nicht zu den Aufgaben dieser Sozialkassen gehören, beispielsweise für die Bildungs- und Forschungsarbeit der Tarifparteien.

Basis der Abstimmungspolitik ist eine von der IG BAU intiierte und von der Friedrich-Ebert-Stiftung finanzierte Studie "Europäische Tarifpolitik im Baugewerbe".Sie listet die in Europa bestehenden großen rechtlichen und organisatorischen Unterschiede auf, warnt aber die 42 europäischen Baugewerkschaften davor, sich deswegen mit Mindestbedingungen zufriedenzugeben.

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