Wirtschaft : IG Bau sagt Arbeitgebern den Kampf an

„Schnelle Eingreiftruppe“ soll unsoziale Unternehmen kreativ bekämpfen – und nicht zimperlich sein

Anselm Waldermann

Berlin - Die IG Bau hat den Ton in der Auseinandersetzung mit den Arbeitgebern deutlich verschärft. Unternehmer, die keine Gewerkschaftsarbeit im Betrieb zuließen und die keine Tarife einhielten, seien „unsere Feinde, und Feinde muss man bekämpfen bis hin zur Vernichtung“, sagte der Vorsitzende Klaus Wiesehügel am Mittwoch bei einem Kongress der IG Bau unter großem Applaus. Derzeit sei eine „schnelle Eingreiftruppe“ im Aufbau, die sich die einzelnen Betriebe vornehmen werde. „Ich bin fest entschlossen, uns den Respekt zurückzuholen, den unsere Kollegen verdienen.“ Die IG Bau werde dabei „nicht zimperlich sein“.

Die Arbeitnehmer am Bau leiden schon lange unter der Krise der Branche. So hat sich die Zahl der Beschäftigten in den vergangenen zehn Jahren auf rund 700000 fast halbiert. Auch Umsatz und Auftragseingang entwickeln sich seit Jahren negativ. Hinzu kommt eine harte Konkurrenz durch Ich-AGs und osteuropäische Billigarbeiter, die immer mehr zu Lasten der regulären, sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung geht. Selbst der tarifliche Mindestlohn wird nach Gewerkschaftsangaben oft mit zahlreichen Tricks umgangen.

Dagegen will sich die IG Bau nun mit aller Vehemenz wehren. Mit arbeitskampfähnlichen Aktionen wolle man Unternehmen treffen, die Beschäftigten beim Eintritt in eine Gewerkschaft mit Kündigung drohen oder die die Wahl eines Betriebsrates verhindern, erklärte Wiesehügel. „Wir werden die Betriebe bekämpfen bis wir drin sind oder sie vom Markt sind“, sagte der IG-Bau-Vorsitzende. Die etwa zehnköpfige Eingreiftruppe solle nicht nur auf Baustellen, sondern in allen Branchen eingesetzt werden, wo dies nötig sei. „Wem die Fantasie nicht ausreicht, der soll sich das Wirken mancher amerikanischer Gewerkschaft anschauen.“ Weitere Details nannte er nicht, damit dies „in den zu erwartenden Strafgerichtsprozessen nicht gegen uns verwendet werden kann“.

In Anlehnung an den Begriff „Sozialschmarotzer“ bezeichnete Wiesehügel Unternehmer, die derzeit die hohe Arbeitslosigkeit für ihre Zwecke ausnutzten, als „Krisenschmarotzer“. Mit der Formel „Sozial ist, was Arbeit schafft“ glaubten immer mehr Arbeitgeber, sich alles erlauben zu können. „Schindluder mit der Angst der Menschen ist momentan die einzige Wachstumsbranche.“ Viele Unternehmer scheuten nicht davor zurück, aus ihren Arbeitnehmern „herauszupressen, was nur eben geht“.

Von einer neuen Bundesregierung erwarte die IG Bau vor allem die Schaffung von angemessen bezahlten und sozial versicherten Arbeitsplätzen sowie die Sicherung des Sozialstaates. Von der IG Bau verlangte Wiesehügel größere Anstrengungen, um den Mitgliederschwund zu stoppen und die Einnahmen zu sichern. Eine Fusion mit einer anderen Gewerkschaft schloss er aus. Die IG Bau hat etwas mehr als 400000 Mitglieder, 1996 waren es etwa 700000.

Die Arbeitgeber zeigten sich über Wiesehügels Äußerungen empört. „Wenn die Gewerkschaft mit Eingreiftruppen den Baumarkt bereinigen will, beschwört sie das Ende der Sozialpartnerschaft herauf“, erklärte der Vizepräsident des Zentralverbands des deutschen Baugewerbes (ZDB), Frank Dupé. „Illegalität kann nicht mit Illegalität bekämpft werden.“ Die IG Bau solle ihre Kritik auf schwarze Schafe beschränken, „und nicht alle Unternehmer in einen Sack stecken und drauf hauen“. mit dpa

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