Wirtschaft : IG Chemie fordert Lohnerhöhung und bessere Bildung

Tarifverhandlungen vorerst vertagt –Arbeitgeber klagen über hohen Ölpreis und schwache Konjunktur

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Berlin (alf). Die Tarifrunde 2003 in der Chemieindustrie ist am Donnerstagabend in Darmstadt ohne Ergebnis vertagt worden. Am 3. April soll die nächste Runde stattfinden. Zu einem ersten Austausch über die wirtschaftliche Lage waren zuvor die Tarifparteien zusammengekommen. Während die IG Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) die Lage der Branche „nicht schlechter“ einschätzt als im Vorjahr und daraus entsprechende Lohnforderungen ableitet, betonen die Arbeitgeber die aktuellen Krisenfaktoren. Vor allem der hohe Ölpreis belaste die Chemie, da Erdöl als Rohstoff und als Energieträger genutzt werde. Nachdem vor einigen Wochen die Wachstumserwartungen der Branche bei knapp zwei Prozent lagen, rechnen die Arbeitgeber jetzt nur noch mit einem Plus von einem Prozent. „Ein Aufschwung ist nicht in Sicht“, sagt Hans Paul Frei, Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverbandes Chemie. Nötig sei ein Tarifabschluss, der „die Kostensituation der Unternehmen nicht zusätzlich zu den externen Risiken weiter verschärft“.

Die IG BCE macht eine andere Rechnung auf. Als Produktivitätswachstum veranschlagt die Gewerkschaft drei Prozent und für die Inflationsrate im Jahresdurchschnitt 2003 1,6 Prozent. Die Summe von 4,6 Prozent ergebe „den Rahmen für eine reale Einkommensverbesserung“. Werner Bischoff, bei der IG BCE für Tarifpolitik zuständig, sieht die Branche „trotz der konjunkturellen Unsicherheiten in einem gesunden Zustand“.

Neben Einkommenserhöhungen will die Gewerkschaft für die 580000 Chemiemitarbeiter Weiterbildungsaspekte im Tarifvertrag festschreiben. Insbesondere will die IG BCE die Weiterbildung als „Erweiterungs und Aufstiegsqualifizierung“ regeln. Dafür stellt der Arbeitnehmer „eigene Zeiteinheiten“ zur Verfügung und der Arbeitgeber trägt die Kosten. Ferner strebt die Gewerkschaft eine „erneute Initiative zur Schaffung von zusätzlichen Ausbildungsplätzen“ an.

Nach der ersten Runde am Mittwoch in Darmstadt werden die Verhandlungen am 3. April fortgesetzt. Die diesjährige Tarifrunde hat zum ersten Mal gesamtdeutsche Bedeutung, weil das Tarifergebnis von den Betrieben im Osten vollständig übernommen wird. Neben der Übernahme des West-Abschlusses zum 1. Juni 2003 werden die Tarifsätze zum 1. Oktober um 2,8 Prozent angehoben. In weiteren Schritten werden dann die Einkommen der ostdeutschen Chemiearbeitnehmer bis 2009 auf das westdeutsche Niveau angehoben. Einen entsprechenden Stufenplan hatten die Tarifparteien im vergangenen Jahr beschlossen.

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